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Köln
Pet Shop Boys zelebrieren den Pomp

Köln. Die Welt ist eine Discokugel: Das britische Duo trat vor 4000 Fans in Köln auf. Von Philipp Holstein

1985 war das, da veröffentlichten die Pet Shop Boys ihre erste Single "West End Girls", und wenn man 13 Jahre alt war, in der Provinz wohnte und die wunderbare Jungsstimme von Neil Tennant hörte, dachte man: Ich möchte jetzt bitte sofort in London leben. Die Pet Shop Boys waren cool, sie standen einfach nur da und sahen gut aus. Sie machten alles richtig, und nichts konnte ihnen passieren, denn sie waren zu zweit.

Daran erinnert man sich beim Auftritt der Pet Shop Boys vor 4000 Fans im ausverkauften Palladium in Köln. "West End Girls" ist das zweite Stück des knapp zweistündigen Abends, und es ist immer noch wunderschön. Noch schöner, gerade in der Rückschau, ist "Love Comes Quickly", und Neil Tennant singt es mit dieser Stimme, die nicht zu altern scheint, und es ist alles so wahr, was er da sagt: "Sooner or later / This happens to everyone". Das erste Drittel des Konzerts ist großartig. Sie tragen discokugel-ähnliche Masken, Chris Lowe kann man hinter seinem Keyboard-Turm kaum erkennen, und auf dem Bühnen-Hintergrund liegt ein mächtiger Kreis, das Symbol der neuen Platte "Super": Er wird mal als Pupille inszeniert, dann als Weltkugel, darüber zucken Blitze aus dem Stroboskop. Man freut sich, dass die Band, die von drei Musikern unterstützt wird, die herrliche Ambient-Version von "Home & Dry" bringt und das frühe "In The Night", eine urbane Synthesizer-Hymne, extrem heruntergekühlt und dennoch elegant.

Im Verlauf des Abends verlieren die Pet Shop Boys allerdings die Zurückhaltung, die so essenziell ist für die Wirkung ihrer Stücke. "The Dictator Decides" ist noch toll, aber bei den meisten der übrigen Songs wähnt man sich in einer russischen Großraum-Disco. Tennant steht in einer silbernen Lederjacke da, die zu eng ist, und über ihm entlädt sich ein Gewitter aus primitivsten Beats. Die Lasershow wirkt arg altmodisch, und die an sich umwerfenden Titel "Left To My Own Devices" und "Domino Dancing" werden in aufgetakelten Versionen dargereicht und wirken wie ein Verrat am flamboyanten Minimalismus der Vorzeit. Den strass-glitzernden Pomp, der 1993 bei "Go West" noch Sarkasmus war, meinen sie jetzt offenbar ernst.

Die Konzerte anderer Bands aus jenen Tagen, New Order etwa, haben jedenfalls mehr Dringlichkeit. 1985, denkt man beim Rausgehen, klingt immer noch gut, ist aber lange her.

Quelle: RP
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