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Geldern
Pink Floyd: Ex-Manager lobt die Frühphase

Geldern. In den Erinnerungen des 73-jährigen Peter Jenner spielt Syd Barrett eine große Rolle. Von Sebastian Latzel

Wer braucht so etwas? Aus satten 32 Einzelstücken besteht die neue Box, die sich mit dem Frühwerk von Pink Floyd befasst. Zehn CDs, neun DVDs, acht Blue Rays und fünf Vinyl-Singles dokumentieren die Jahre 1965 bis 1972. Neben Interviews und Live-Futter gibt es 20 unveröffentlichte Songs aus den Archiven der britischen Band. Für Fans eine teure Schatzkiste: 500 Euro kostet die komplette Box. Die Highlights auf einer Doppel-CD sind für knapp 20 Euro zu haben.

Die Box lässt die Anfangszeit der Band lebendig werden, vor allem die spannende Zeit mit Syd Barrett. Daher dürfen die ersten Singles "See Emily play" und "Arnold Layne" nicht fehlen; beide stammen von Syd Barrett. Und für Peter Jenner, den ersten Manager der Band, wäre der spätere Erfolg ohne Barrett unmöglich gewesen. "Er war ein Genie, die anderen haben davon profitiert", sagt Jenner, der vor einiger Zeit einen seiner seltenen Abstecher zu einem Festival machte. Da besuchte der 73-Jährige das Halderner Open Air und gab einen tiefen Einblick in die Anfänge der Band.

Die Suche nach etwas Neuem sei in den 60er Jahren seine Triebfeder gewesen, erzählt Jenner. Er wollte Avantgarde machen. Aber er war eben auch Ökonom. "Ich habe gemerkt: Mit Avantgarde verdienst du kein Geld. Du brauchst einen Hit, eine Single, also suchte ich eine Avantgarde-Pop-Band." Eben so entdeckte er Pink Floyd, die damals noch "The Pink Floyd Sound" hießen. Er erzählt, wie er 1966 den ersten Auftritt der Band im Marquee erlebte. "Da saßen die ganzen Leute auf dem Boden herum, auf der Bühne spielte die Band." Der Sound habe ihn fasziniert und irritiert. Statt eines Solos kamen immer wieder so seltsame Geräusche aus den Boxen. Das ließ ihn nicht los. "Ich lief ständig um die Bühne herum, um zu sehen, welches Instrument sie spielten. Ich wollte unbedingt wissen, woher diese Geräusche kommen", sagt er. Jenner entdeckte, dass Syd Barrett und Rick Wright diesen besonderen "Noise" machten. Barrett arbeitete viel mit Rückkopplung. "So etwas hatte ich noch nicht gehört, so etwas suchte ich", sagt Jenner. "Ich wollte nicht die nächsten Beatles oder den nächsten Presley, hier hatte ich etwas völlig Neues gefunden." Schließlich bot er an, die Band zu managen. Die bat sich Bedenkzeit aus, die Musiker fuhren erst einmal in den Urlaub. Als sie zurückkehrten, wurde der Deal unter Dach und Fach gebracht. Aus Sicht von Floyd hatte das offenbar vor allem einen Grund. "Sie sagten mir: Als Manager bist du dazu da, die Anlage zu kaufen", erzählt Jenner. Als er das Equipment besorgt hatte, gab es wenig später eine böse Überraschung. Die gesamte Anlage war gestohlen worden. Heute kann Jenner über solche Sachen lachen, damals waren das echte Nackenschläge für die junge Band.

Vor allem von Syd Barrett war Jenner fasziniert. Mit Roger Waters und David Gilmour geht Jenner hart ins Gericht. Waters habe noch nicht einmal seinen Bass stimmen können, sei ein schlechter Sänger. Gilmour sei zwar ein begnadeter Musiker, habe aber keinerlei Gefühl für Lyrics. Nur zusammen hätten sie funktioniert.

Weil Jenner auf Barrett setzte, stieg er 1968 aus, als Barrett mehr oder weniger aus der Band geworfen wurde. Die Riesenerfolge mit "Dark side of the moon" oder "The Wall" kamen später. Von den Alben hält er nicht viel. "Es ging nur noch um die Show, musikalisch hat mich das nicht mehr überzeugt", sagt Jenner.

Quelle: RP
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