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Düsseldorf/Berlin
Platz zwei und trotzdem pleite

Düsseldorf/Berlin. Der Berliner Rapper Megaloh schreibt Hits, kann davon aber nicht leben. Von Henning Rasche

Was der Regenmacher kann, das würde Megaloh auch gern können. Zaubern, schütteln, vielleicht noch ein Spruch, und dann fließt es. Nicht der Regen, den braucht der Berliner nicht so dringend. Sondern ein bisschen Geld, nicht viel, aber ein bisschen halt, das wäre schon gut. Megaloh ist Rapper; er ist ein ziemlich guter Rapper, und man ist geneigt, sich zu der Aussage hinreißen zu lassen, dass er derzeit der beste Rapper in Deutschland ist. Dieser Mann, bürgerlich Uchenna van Capelleveen, kann aber von seiner Musik nicht einmal leben.

"Sie fragen mich, kann ich inzwischen von der Mucke leben? Könnt' mir noch immer um vier Uhr morgens im Bus begegnen", so eröffnet Megaloh sein neues Album, das wie ein Traum klingt: "Regenmacher". Es ist noch einmal ein paar Ecken reifer, klüger und tiefer als das vorherige. Morgens um vier Uhr steigt der Mann aus Berlin-Moabit also in seinen Bus, der ihn zur Frühschicht bringt. Vier Stunden lang Pakete verladen, während wir Korken im Club knallen, sagt Megaloh, und: "Kein Arbeitstier, aber muss halt".

Megaloh wird gerade ein wenig auf diesen Umstand reduziert. Streaming, Downloads - das bringt kein Geld, obwohl die neue Platte schon Platz zwei der deutschen Albumcharts erreichen konnte. Seine Konzerte gibt er an seinen Urlaubstagen. Ein paar hat er sich davon aus dem vergangenen Jahr aufgespart, für die große "Regenmacher"-Tour ab Herbst. Allerdings sollte man Megaloh auf keinen Fall auf diese Zweitjob-Tragik reduzieren. Denn Megaloh macht hinreißenden Rap, den er mit eleganter Poesie verbindet. Gute Bässe, klangvolle Töne und Zeilen, die sitzen.

Megaloh erzählt die Geschichte eines Menschen, der sehr hart arbeitet für seinen Traum. Der niemals aufgibt, der viermal aufsteht und dreimal wieder hinfällt. "Das Leben sang mir ein Lied, es heißt, arbeite hart für deinen Traum", rappt Megaloh in "Zug". Megaloh ist irgendwie einer von uns, dem nicht immer alles gleich gelingt, der scheitert und sich verirrt. Aber Megaloh kann auch ein Vorbild für uns sein, das uns mit auf den Weg gibt: Bleib dran, gib nicht auf, glaub an dich. Vom Lagerarbeiter zum Millionär? Nein, aber vielleicht zum glücklichen, zum erfüllten Menschen.

Inzwischen ist Megaloh beim Label von Deutschrap-Altmeister Max Herre unter Vertrag. Der Einfluss von Herre auf die Musik ist nachvollziehbar. Ein bisschen Soul, ein wenig Jazz und Pop, Gitarren, Trompeten - HipHop eben. Megaloh wehrt sich gegen die Popisierung des Rap, die Maskenträger Cro erfand. Megaloh ist ein Rapper der klassischen Schule, der die Musik in die Gegenwart transferiert. Mit hübschen Melodien und klugen Texten: "In Zeiten der Dürre kann ich nicht mehr warten auf Regen."

Info Das Album "Regenmacher" von Megaloh ist bei Universal erschienen.

Quelle: RP
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