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Warschau/Breslau
Polens Konservative wollen Jelinek-Stück verbieten

Warschau/Breslau. Wenige Tage nach ihrem Amtsantritt hat Polens konservative Regierung die Aufführung von Elfriede Jelineks "Der Tod und das Mädchen" im staatlichen Polnischen Theater in Breslau zu unterbinden gesucht. Grund waren angebliche sexuelle Handlungen auf der Bühne, wie polnische Medien berichteten. Aus Sicht von Vizeregierungschef und Kulturminister Piotr Glinski verstoße die Inszenierung gegen "Prinzipien des gesellschaftlichen Zusammenlebens".

Die Premiere am Samstagabend fand dennoch statt. Rund 20 katholische Demonstranten versuchten nach Polizeiangaben vor der Aufführung den Zutritt zum Theater zu blockieren. Einige von ihnen seien vorübergehend festgenommen worden. Im Mittelpunkt der Kritik steht eine Szene mit einem kopulierenden Paar; Medienberichten zufolge wurden für das Stück tschechische Schauspieler engagiert. Der Sprecher des Erzbistums Breslau protestierte gegen den Auftritt von "ausländischen Pornodarstellern".

Die Freiheit der Kunst sei nicht grenzenlos. Die Würde des Menschen müsse respektiert werden, heißt es in einer Erklärung von Pressesprecher Rafal Kowalski. Der Chef des Breslauer Theaters, Krzysztof Mieszkowski, der zugleich Abgeordneter des polnischen Parlaments ist, forderte den Rücktritt des Kulturministers.

(kna)
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