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Essen
Pop-Art-Kirchenfenster in Essen

Essen. James Rizzi hat kurz vor seinem Tod Fenster für ein Gotteshaus gestaltet. Von Bettina von Clausewitz

So hat man die biblischen Geschichten bisher wohl noch nie auf Kirchenfenstern gesehen: Jesus wie ein gut gelaunter Popstar, umgeben von charmant bebrillten Engeln und knallbunten Menschen im Comic-Stil. Petrus und seine Gefährten mit modischem Vollbart und Nerdbrillen beim Fischfang. Dazwischen Vögel, Blumen, Sterne, und alles umrahmt von einer knallroten Herzchenborte wie aus dem Poesiealbum.

Diese farbenfrohe Welt wartet nicht auf Erlösung, sie ist schon erlöst: Es ist die Welt des New Yorker Pop-Art-Künstlers James Rizzi. Vor seinem plötzlichen Tod 2011 entwarf er noch zwei Kirchenfenster für die Kreuzeskirche in Essen - die weltweit einzigen Rizzi-Fenster. Gestern wurden sie eingeweiht.

"Für mich ist es ein Wunder, dass wir diese Kunstwerke bei uns haben", sagt der Essener Pfarrer Steffen Hunder, auf dessen Initiative das Projekt zurückgeht. Denn von der ersten Idee bis zur aufwendigen Herstellung und Installation der Fenster brauchte es einen langen Atem. Hunder sah James-Rizzi-Motive erstmals bei einem New-York-Besuch im Jahr 2000 in einer Galerie und wusste sofort: "So etwas will ich für die Kreuzeskirche haben."

Bald darauf kontaktierte Hunder den Künstler. "Er war sofort Feuer und Flamme", erzählt er voller Begeisterung über die Dialoge von damals: "Nimm die biblischen Geschichten, die dir vertraut sind, und mach einfach das, was du am Besten kannst," habe er James Rizzi gesagt. Im Vertrauen darauf, dass der ehemals katholische Klosterschüler genügend biblische Bilder verinnerlicht hat. Weltweit ist der 1950 geborene Rizzi vor allem für seine expressiv-bunten Bildern, als Erfinder der modernen 3D-Grafik und durch die Gestaltung von Spielzeug berühmt. Dem Rizzi-Stil fügen die Kirchenfenster in Essen posthum eine neue Facette hinzu. Denn die beiden meterhohen Kunstwerke in den Seitenflügeln der frisch renovierten Innenstadtkirche erzählen biblische Geschichten in moderner Übersetzung. "Ich hoffe, dass die Menschen durch sie die Freude am Leben und am Glauben neu entdecken", sagt Pfarrer Hunder. Das Geld für die 180.000 Euro teuren Kunstwerke stammt aus einem Joint Venture zwischen Kirchengemeinde und Land NRW, das 80 Prozent der Kosten finanziert.

(epd)
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