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Köln
Publikumslieblinge aus der Schweiz

Köln. Das Wallraf-Richartz-Museum zeigt eine Parade "Von Dürer bis van Gogh". Und erzählt zugleich die Geschichte des Schweizer Sammlers Emil Bührle, der nach ähnlichen Kriterien Kunst erwarb wie das Museum in Köln. Von Bertram Müller

Kunst erregt oft Aufsehen durch Umstände, die ihr fremd sind: durch Auktionen, durch Fälscher oder auch durch Raub. Als das Privatmuseum der Stiftung Sammlung E. G. Bührle in Zürich vor acht Jahren den Verlust von vier Hauptwerken durch einen Überfall meldete, sprach alle Welt von Cézanne und Monet, van Gogh und Degas. Der Wirbel hat sich gelegt. Zwei Bilder fanden sich auf einem nahen Parkplatz, und im April 2012 stellte die Polizei die beiden anderen in Belgrad sicher. Die Sammlung aber ist seitdem nur noch eingeschränkt der Öffentlichkeit zugänglich.

Das wird sich erst im Jahr 2020 ändern, wenn 200 Leihgaben in einen von David Chipperfield entworfenen Erweiterungsbau des Kunsthauses Zürich einziehen. Im Kölner Wallraf-Richartz-Museum kann man sich schon jetzt einen Eindruck davon verschaffen, woran das Herz des Industriellen und Sammlers Emil Bührle (1890-1956) hing, darunter zwei der einst geraubten Bilder: Cézannes "Der Knabe mit der roten Weste" und Monets "Mohnblumenfeld bei Vétheuil".

Der Reiz der Kölner Ausstellung liegt darin, dass Bührle und Leopold Reidemeister, der bis 1957 dem Wallraf-Richartz-Museum vorstand, den gleichen Kunstgeschmack hatten und um die Wette sammelten. Bei der Jagd nach einem Kunstwerk gewann in der Regel Bührle, denn er war dem Museums-Chef finanziell überlegen. In Köln hängen nun Werke aus beiden Sammlungen einträchtig nebeneinander, und siehe da: Sie ergänzen sich vorzüglich.

Eines der schönsten Bilder der Schau, die Dordrechter Hafenansicht "Fischerboote im Mondschein" von Aelbert Cuyp (1620-1691) aus dem Wallraf-Richartz-Museum, ist mit dem gleichwertigen "Gewitter über Dordrecht" aus der Sammlung Bührle vereint, ebenfalls von Cuyp. Van Goghs berühmte "Zugbrücke" von 1888 aus dem Wallraf-Richartz-Museum hängt neben einem ein Jahr zuvor entstandenen Bild des Niederländers, das "Die Seine-Brücken bei Asnières" zeigt. Vorn dampft - Zeichen der Industrialisierung - eine Lok über den Fluss. An anderer Stelle ergänzt Courbets "Porträt eines Jägers" eine Szene desselben Malers aus dem Wallraf-Richartz-Museum: "Das Jagdfrühstück".

Der exquisite Rundgang führt von Malerei und Skulptur des Mittelalters über Dürer, das Goldene Zeitalter der Niederlande und den französischen Impressionismus bis zu Picasso. Mehr als 64 Werke sind es nicht, doch der zusehends inflationär verwandte Begriff "Meisterwerk" ist hier in jedem Fall am Platze.

Kunst, gesammelt aus dem Geist des Bürgertums - das gilt für die Kollektion des Wallraf-Richartz-Museums ebenso wie für die von Emil Bührle. Privatsammler wie Bührle werden oft zu Helden stilisiert, bloß weil sie der Nachwelt so schöne Bilder hinterlassen haben. Doch auch das Leben des Waffenproduzenten Bührle weist Schattenseiten auf. 1939 erwarb er auf der legendären Auktion in Luzern preisgünstig Werke, welche die Nationalsozialisten als "entartet" in deutschen Museen beschlagnahmt hatten. Auch im von Deutschland besetzten Frankreich kaufte er Kunst, und zwar solche, die deutsche Stellen geraubt hatten. Nach dem Krieg wurde Bührle dazu verurteilt, 13 als Raubkunst eingestufte Bilder zurückzugeben. Die Sache endete versöhnlich: Bührle erwarb neun der 13 Bilder ein zweites Mal.

In den 50er Jahren legte er dann erst richtig los. Fast wie später Peter Ludwig im Rheinland kaufte er Schlag auf Schlag Bilder und Skulpturen - 100 pro Jahr, in New York, Paris, London und Zürich. Das Unternehmen, das Bührle leitete und das seine Kunstsammlung erst ermöglichte, besteht noch heute. Es heißt Oerlikon und macht weltweit Geschäfte.

Quelle: RP
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