Werke von Matta-Clark beschädigt: Randalierende Besucherin bei Flick-Ausstellung
zuletzt aktualisiert: 23.09.2004 - 16:34Berlin (rpo). Erneute Aufregung bei der "Flick Collection": Nachdem die umstrittene Ausstellung in Berlin erfolgreich eröffnet wurde, gab es bereits am ersten Ausstellungstag Ärger. Eine Besucherin hatte zwei Werke des US-Künstlers Gordon Matta-Clark beschädigt.
Die polizeibekannte Berlinerin, die bei ihrer Aktion "Flick, ich verzeih dir!" gerufen haben soll, hatte sich bei ihrer Attacke auf ein Element von Matta-Clarks Werk "Office Baroque" (1977) geworfen und dessen Gipsdecke durch Tritte erheblich beschädigt. Das zweite Werk "Graffiti Truck" (1973) - ein Segment eines amerikanischen Trucks - des 1978 im Alter von 34 Jahren gestorbenen Künstlers warf sie um. Dabei wurde die Metallabdeckung verbogen.
Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Klaus-Dieter Lehmann, kündigte am Donnerstag eine Überprüfung des gesamten Sicherheitssystems an. Dieser "Gewaltakt gegen die Ausstellung" sei ein "Schlag in die Magengrube". Einen politischen Hintergrund sieht die Polizei bislang nicht.
Lehmann betonte, es handle sich nicht um einen "Bagatellschaden". Die betroffenen Werke könnten zwar restauriert werden, es bleibe aber eine "entsprechende Minderung". Die Höhe der Kosten könnten jedoch noch nicht beziffert werden. Flick sei von der Nachricht über die Attacke "sehr erschüttert" gewesen, fügte Lehmann hinzu. Konsequenzen für die Schau verkündete der Sammler nach Angaben der Ausstellungsmacher aber nicht.
Nach den Worten von Lehmann war der Auftritt der Täterin Augenzeugenberichten zufolge von "großer Aggressivität" geprägt. Auch Besucher habe die Frau, die Teile eines Kunstwerks in der Hand hielt, attackiert. Die beiden sich in dem Raum befindlichen Aufsichtskräfte seien offensichtlich überfordert gewesen. Sie hätten nicht sofort eingegriffen, sondern erst einmal den "Supervisor" geholt.
Der Vorfall dauerte etwa 20 Minuten, bis die Polizei die Frau abführte. Sie wurde aber bereits am Abend wieder entlassen. Die 35-Jährige, die der Polizei durch verschiedene Delikte wie Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch, und Körperverletzung bekannt ist, bekam eine Anzeige und soll auch zivilrechtlich belangt werden.
Lehmann kündigte an, dass nach dem Vorfall noch einmal die "Verhaltensformen" im Sicherheitsbereich überprüft werden müssten. Man könne gegen Besucher nicht mit körperlichem Einsatz vorgehen. Jede verdächtige Aktion müsse aber schon im Ansatz unterbunden werden. Entscheidend sei, jetzt noch einmal alle möglichen Szenarien durchzugehen. Er glaube aber nicht, dass es an der Stärke des Aufsichtspersonals liege. Deren Zahl sei für die Schau schon erheblich aufgestockt worden. Lehmann betonte zugleich, er fände es kritisch, ein "Museum wie eine Festung aufzurüsten".
Der amerikanische Künstler Matta-Clark (1943-1978 in New York), dessen Werke beschädigt wurden, studierte Architektur, übte diesen Beruf aber nie im eigentlichen Sinne aus. Bekannt wurde er vor allem durch seine "Building Cuts": Dabei transformierte er Gebäude mittels Schnitten durch alle Materialschichten beziehungsweise Entfernen von Gebäudeteilen. Alle seine "Gebäudeschnitte" sind heute allein durch Fotografien und Filmaufnahmen dokumentiert.
Für das Projekt "Office Baroque" machte Matta-Clark einen Schnitt in ein fünfstöckiges Geschäftsgebäude in Antwerpen. Trotz der Bemühungen vieler Künstler und Freunde, diesen letzten Gebäudeschnitt Matta-Clarks zu erhalten, wurde das Haus zwei Jahre nach dem Tod des Künstlers abgerissen. Nach den Worten des Leiters des Hamburger Bahnhofs, Eugen Blume, sollen von "Office Baroque" nur noch die beiden in Berlin ausgestellten - aus dem Gebäude herausgetrennten - Elemente aus Holz, Gips und Linoleum übrig sein.
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