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Rückkehr der Revolutionskinder

Die legendäre US-Band Violent Femmes feiert ein unerwartetes Comeback. Von Andreas Huber

Das erste Hören des ersten Songs auf der ersten LP der Violent Femmes war im Frühling 1983 ein echtes Erweckungserlebnis. Schon beim zweiten Mal dachte man, dass das ja irgendwie auch Punk ist. Und beim dritten Durchlauf wurde plötzlich die Bedeutung des von Sänger Gordon Gano grandios genölten Textes interessant. Besagtes Stück heißt "Blister In The Sun" und ist bis heute ein altersloser Alternativerock-Klassiker und Indie-Dancefloorfiller. Überhaupt war das Debütalbum trotz minimalistischer (Sound-) Ausstattung ein großer Wurf des Trios aus Milwaukee, das von Brian Ritchie (Bass) und Victor DeLorenzo (Schlagzeug) komplettiert und der Legende nach von Pretenders-Sängerin Chrissie Hynde entdeckt wurde.

Und es ist bis heute die einzige Platte mit Platinverkaufsstatus, die niemals in den Top 200 der US-Billboard-Charts platziert war. Folgende Alben wie "Hallowed Ground" (1984), "The Blind Leading The Naked" (1986), dessen Hit eine fabelhafte Coverversion des T. Rex-Gassenhauers "Children Of The Revolution" war, und "Why Do Birds Sing" (1991) charteten allerdings und festigten den Ruf und Ruhm der vormaligen Straßenmusikanten als vehemente Verfechter traditioneller amerikanischer Klänge mit Country-, Blues-, Folk-, Gospel-, aber auch Jazz-Elementen.

Das ist alles verdammt lange her. Zwischenzeitlich waren die aktuell verbliebenen Ur-Femmes Gano und Ritchie sogar so zerstritten, dass die juristischen Scharmützel für die meisten Beobachter einem logischen Ende der "Weicheier" (Milwaukee Slang) gleichkamen. Doch weit gefehlt. Der im März 2015 vorgelegten EP "Happy New Year" folgt jetzt mit "We Can Do Anything" (PIAS) das erste Album nach 15-jähriger Veröffentlichungspause. Und was böse ins Auge hätte gehen können, geht auch heute noch gut ins Ohr ("Issues", "Big Car"). Selbst wenn die zehn neuen Tunes die nervöse Dringlichkeit der frühen Aufnahmen nicht wiederholen können oder wollen, ist der Wiedererkennungswert der "letzten besten Band der Welt" (SPEX im April 1986) immer noch ungebrochen.

Quelle: RP
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