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Recklinghausen
Houllebecqs "Unterwerfung" bei den Ruhrfestspielen

Recklinghausen. Das Festival beginnt am 1. Mai mit einem Volksfest, das Wiener Burgtheater eröffnet das Programm. Von Dorothee Krings

Gen Süden blicken die Ruhrfestspiele in diesem Jahr: "Mittelmeer - mare nostrum?" hat Intendant Frank Hoffmann sein klug konzipiertes Programm überschrieben und die alte Bezeichnung der Römer mit einem Fragezeichen versehen. Denn längst ist das Mittelmeer nicht mehr harmloser Sehnsuchtsort mit sonnigen Ufern, sondern fluide Grenze, Fluchtweg, Grab.

Und so zeigen die Festspiele große Stoffe, die sich mit Vertreibung, Unterdrückung und dem Aufbegehren dagegen beschäftigen: Aischylos, Calderon, Shakespeare sind dabei aber auch 17 Uraufführungen, darunter ein neues Stück des inzwischen 90 Jahre alten Tankred Dorst. In einer Kooperation mit dem Düsseldorfer Schauspielhaus spielen Heikko Deutschmann und Karin Pfammatter in der Inszenierung von David Mouchtar-Samorai. Andere namhafte Regisseure wie Romeo Castelluci, Frank Castorf, Andreas Kriegenburg und Herbert Fritsch sind zu Gast und Ensembles aus Städten wie Berlin, Hamburg, Leipzig, Dresden. Dazu hat Hoffmann Gruppen aus europäischen Ländern wie Italien, Spanien und Luxemburg geladen, aber auch aus entfernteren Regionen, die mehr und mehr in unser Gesichtsfeld rücken. So ist etwa ein Gastspiel aus Ägypten zu erleben, das sich mit dem Aufstand auf dem Tahir-Platz in Kairo beschäftigt und auf Arabisch mit Obertiteln gespielt wird.

Hoffmann gelingt es in Recklinghausen jedes Jahr auf Neue, ambitioniertes Theater der Gegenwart zu zeigen, das mit namhaften Künstlern auch für ausverkaufte Ränge sorgt. Hochkarätig geht es gleich los: Das Wiener Burgtheater eröffnet die Festspiele am 3. Mai mit Goldonis "Der Diener zweier Herren", eine Gelegenheit, den großen Peter Simonischek auf der Bühne zu erleben. Regie führt Christian Stückl, Neuinszenierer der Passionsspiele in Oberammergau. Karin Beier kommt aus Hamburg mit ihrer Adaption des umstrittenen Romans "Unterwerfung" von Michel Houllebecq. Sie hat daraus ein Drei-Stunden-Solo für Edgar Selge gemacht, das so kräftezehrend ist, dass der dritte Termin um einen Tag verschoben werden musste, um dem Hauptdarsteller Erholung zu gönnen. "Unterwerfung" ist der neue Lieblingsroman der Theater, auch das Staatsschauspiel Dresden hat es seit März im Programm, am Deutschen Theater in Berlin ist die Premiere für den 22. April angesetzt.

Der Intendant selbst wird Calderons "Das Leben ein Traum" inszenieren und hat sich auch dafür einige Stars bestellt: Hannelore Elsner, Dominique Horwitz und Wolfram Koch. Zu Lesungen reisen Interpreten wie Günter Lamprecht, Robert Stadlober, Fritzi Haberlandt und Julia Jentsch an. Auch für Kinder gibt es diverse Angebote. Darunter aus Leipzig die Inszenierung eines Stücks von Katrin Lange nach Motiven des Romans "König Macius I." von Janusz Korczak, empfohlen für Kinder ab acht Jahren.

Termine und Karten unter www.ruhrfestspiele.de oder Telefon: 02361 92180 (für Eröffnungspremiere und "Unterwerfung" gibt es nur noch Restkarten)

Quelle: RP
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