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In Österreich schon fast ein Staatsposten: Salzburger Festspiele: Kein Intendant in Sicht

zuletzt aktualisiert: 21.07.2004 - 12:39

München (rpo). Wer wird der neue Intendant der Salzburger Festspiele? Diese Frage beschäftigt Österreichs Kulturszene bereits seit dem plötzlichen Abgang von Peter Ruzicka im Frühjahr dieses Jahres. Doch einen Nachfolger zu finden, gestaltet sich schwerer als bisher angenommen.

Nachdem Ruzicka eine Verlängerung über das Mozartjahr 2006 überraschend ablehnte, glaubte man, relativ schnell einen Nachfolger finden zu können. Jetzt wird die Suche nach einem neuen Intendanten wohl die am Samstag beginnenden Festspiele überschatten.

In der kleinen Alpenrepublik mit der großen Tradition kommt der Posten des Festspielchefs an der Salzach gleich nach Bundespräsident und Bundeskanzler. Kein Wunder also, dass sich die Suche zur Haupt- und Staatsaktion auswuchs, bei der die Positionen der rechtskonservativen Wiener Bundesregierung und des neuerdings SPÖ-geführten Bundeslandes Salzburg hart aufeinander stoßen. Jetzt könnte die Bombe während der ersten Festspielwoche platzen. Für Aufmerksamkeit wäre gesorgt, weil dann Journalisten aus aller Herren Länder den Festspielbezirk bevölkern.

Trotz Geldsorgen ein Superprogramm

Ob solch wichtiger Personalien scheint der künstlerische Gehalt der Festspiele beinahe zur Nebensache zu werden. Obgleich Ruzicka und Jürgen Flimm, Chef der Theatersparte und als neuer Intendant im Gespräch, trotz wachsender Geldsorgen wieder ein ambitioniertes Programm auf die Beine gestellt haben. Mit viel Vorschusslorbeer bedacht: die Eröffnungspremiere am Samstag mit Henry Purcells dramatischer Oper "King Arthur" in Flimms Regie, dirigiert von Pult-Altmeister Nikolaus Harnoncourt.

Weiteres Highlight: Richard Strauss' wohl beliebteste Oper "Der Rosenkavalier" in der Inszenierung von Regie-Wunderknabe Robert Carsen mit Semyon Bychkov am Pult und Goldkehlen wie Adrianne Pieczonka als Marschallin, Angelika Kirchschlager als Octavian und Miah Persson als Sophie. Stefan Herheims Skandal-Inszenierung von Wolfgang Amadeus Mozarts "Entführung" vom letzten Jahr kommt noch einmal in einer Neueinstudierung heraus, ebenso "Cosi fan tutte" von den Osterfestspielen. Dazu noch Erich Wolfgang Korngolds Oper "Die tote Stadt", eine Referenz an den von den Nazis verfemten Exilkomponisten.

Große Namen auch bei Sergej Prokofjews "Krieg und Frieden", konzertant von Valery Gergiev dargeboten. Sopranwunder Anna Netrebko steht dabei mit ihrem russischen Partner Dmitri Hvorostovsky auf der Bühne der Felsenreitschule.

Alle Klassiker des Theaters sind vertreten

Allein elf Mal steht auf dem Domplatz der "Jedermann" auf dem Spielplan. Dazu kommen Neuinszenierungen etwa von Anton Tschechovs "Die Möwe", Christopher Marlowes "Edward II." auf der Perner-Insel in Hallein und "Eines langen Tages Reise in die Nacht" von Eugene O'Neill. Frisch von den Mülheimer Theatertagen kommt Elfriede Jelineks prämiertes Burgtheater-Stück "Das Werk" nach Salzburg. Dichter zu Gast ist dieses Jahr Tankred Dorst.

Im Konzertprogramm dominieren die üblichen Verdächtigen. Wie immer gastieren die Wiener Philharmoniker unter zahlreichen Stardirigenten sowie die Berliner unter Sir Simon Rattle. Bei den Solistenkonzerten geht es nicht ohne Alfred Brendel und Maurizio Pollini. Den beiden "Composers in residence", György Kurtág und Jörg Widmann, ist ein eigener Programmschwerpunkt gewidmet.

Auffallend im Gesamtbild: Die vielen Koproduktionen mit diversen europäischen Opernhäusern und Theatern. Sie zeigen, dass auch im wohlhabenden Salzburg das Geld nicht mehr vom Himmel regnet. Kritiker wähnen schon die Einmaligkeit der Festspiele in Gefahr. Auf jeden Fall viel Verantwortung für den zukünftigen Intendanten - wer immer es auch sein mag.

Peter Simonischek in der Rolle des "Jedermann" in dem gleichnamigen Stück.  Foto: RPO
Peter Simonischek in der Rolle des "Jedermann" in dem gleichnamigen Stück. Foto: RPO

 
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