Theater in NRW: Schauspielkunst am Silvesterabend
zuletzt aktualisiert: 08.12.2005 - 15:18Düsseldorf (rpo). Sicherlich ist Miss Sophies angetrunkener Diener im TV-Klassiker "Dinner for One" amüsant. Doch es gibt reizvolle Alternativen, um den Silvesterabend unterhaltsam zu begehen. Zahlreiche Theaterbühnen in NRW bieten ein abwechslungsreiches Programm. Wer mit Molières "Eingebildetem Kranken" oder Brechts Mackie Messer anstoßen möchte, sollte sich beeilen, denn der Kartenvorverkauf läuft auf Hochtouren.
So reichhaltig die Theaterlandschaft in NRW ist, so bunt ist auch das Angebot. Während in Deutschlands kleinstem Stadttheater in Moers mit Shakespeares "Hamlet" einer der berühmtesten Politthriller der Theatergeschichte gegeben wird (Tel. 02841/201-731), lädt das Stadttheater in Krefeld (Tel. 02151/805-125) in der Inszenierung von Reinhard Friese zur Revue "Kleiner Mann, was nun?" in der Fassung von Tankred Dorst und Peter Zadek ein. Szenen aus dem Leben des Titelhelden Pinneberg wechseln mit populären Schlagern aus den 30er Jahren und verbinden so das nach wie vor aktuelle Thema der Arbeitslosigkeit mit dem Glanz und dem Glamour einer vergnügungssüchtigen Zeit.
Mit Ohrwürmern gespickt ist auch die "Dreigroschenoper" von Bertolt Brecht und Kurt Weill, die in der Regie von Roberto Ciulli am Mülheimer Theater an der Ruhr gegeben wird (Tel. 0208/5 99 01 88). Aus der Story um Mackie Messer, dessen Einfluss auf die Mächtigen der Stadt, auf Kapital und Justiz geschwunden ist, macht Ciulli in ein Spiel zwischen Ernst und Klamauk, zwischen Clownerie und Melancholie.
Songs zum heimlichen Mitsummen bietet auch die aus dem Comedy-Duo Misfits bekannte Regisseurin Gerburg Jahnke in ihrer Inszenierung von "Frauen allein zu Haus" von Fitzgerald Kusz (Theater Oberhausen, Tel. 0208/8578-184). In den komisch skurrilen Witwendramen helfen Hits von den Toten Hosen, Herbert Grönemeyer und Roy Black über die erste Trauer hinweg und machen Mut, sich auf die Suche nach einem zweiten Traummann zu begeben. Mit etwas anderen "Liebesperlen" jonglieren dagegen Heinrich Huber und Jürgen Uter in ihrer Revue im Theater Dortmund (Tel. 0231/5027 222).
Krimiatmosphäre in Essen und Münster
Mit zwei ganz unterschiedlichen Krimis gestalten die Ensembles in Essen und Münster den letzten Tag des Jahres. Am Essener Grillo-Theater (Tel. 0201/81 22-200) gibt es gleich acht Tatverdächtige. In der Kriminalkomödie "Acht Frauen" von Robert Thomas steht anfangs nur fest, dass eine von acht Frauen einer Weihnachtsgesellschaft den einzigen Mann mit einem Messer getötet hat. Jede ist verdächtig, jede hat ein Motiv, aber keine will es gewesen sein. In Münster (Tel. 0251/59 09-100) geht es in "Ümmer up de Lüttken", einer Karnickel-Kriminal-Geschichte von Jürgen Baumgarten, um seltsame Vorgänge im Kaninchenzuchtverein. Zwei preisverdächtige Rassetiere sind entführt worden: Jonas, der "Helle Grausilber" des Vereinsvorsitzenden, und Theobald, eine Spitzenzüchtung des stellvertretenden Vorsitzenden. Die Entführung klärt sich auf, aber dann sind die wiedergefundenen Tiere plötzlich tot - eine unterhaltsame Kriminalkomödie mit ironischen Untertönen und satirischen Seitenhieben auf deutsche Vereinsmeierei.
Großes Theater verspricht auch der Besuch der Schauspielhäuser in Düsseldorf oder Bochum. In der Landeshauptstadt sorgt Molières Hypochonder Argan für Turbulenzen. Geplagt von unzähligen Krankheitssymptomen tyrannisiert der "Eingebildete Kranke" seine Familie. In der Inszenierung von Star-Regisseur Helmuth Lohner ist Heinz Kloss in der Titelrolle ein urkomischer Augenschmaus (Tel. 0211/369 911).
Vom Paris des 17. Jahrhunderts geht es in Bochum ins heutige Paris (Tel. 0234/33 33 111). Intendant Elmar Goerden hat Peter Handkes Stück "Die Stunde da wir nichts voneinander wussten" als furiosen Szenenreigen irgendwo mitten in der französischen Metropole inszeniert. Und auch wenn in diesem Stück kein einziges Wort gesprochen wird, erzählen die Liebespaare, Rollschuhläufer, Straßenkehrer und Feuerwehrleute Geschichten, die mancher vielleicht so oder so ähnlich auch selber in auslaufenden Jahr erlebt hat.
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