Intendanz am Deutschen Theater:: Schlingensief hat große Pläne
zuletzt aktualisiert: 13.01.2005 - 15:55Berlin (rpo). Skandalkünstler Christoph Schlingensief will die Intendanz des Deutschen Theaters Berlin übernehmen. Zwar hat Schlingensief sich selbst zum Kandidaten für die Nachfolge von Bernd Wilms ernannt, doch der Aktionskünstler ist davon überzeigt, dass das renommierte Haus eine generelle Veränderung nötig habe.
Christoph Schlingensief sagte dem Hauptstadtmagazin "Tip", er würde ganz unvoreingenommen an die Intendantenaufgabe herangehen. Er bekannte, noch niemals freiwillig im Deutschen Theater gewesen zu sein. Er könne spontan nicht einmal sagen, wie er von seiner Wohnung aus zum Deutschen Theater komme, sagte er. "Aber ich weiß von diesem Berliner Kultursumpf-Gebiet", fügte er hinzu.
Aktionskünstler Schlingensief forderte, das Theater müsse "grundsätzlich vom Dünkel der geschlossenen moralischen Anstalt" befreit werden. "Was wäre symbolischer, als damit am Deutschen Theater anzufangen", sagte er. Als Eröffnungspremiere unter seiner Leitung wolle er "Unsere Leichen leben noch", frei nach Rosa von Praunheim, inszenieren.
Berlins Ex-Kultursenator Christoph Stölzl (CDU) forderte unterdessen den Verbleib von Intendant Wilms am Deutschen Theater. Zugleich warf der Politiker dem rot-roten Senat bei der Suche nach einem neuen DT-Intendanten Inkompetenz vor. Er appellierte an Kultursenator Thomas Flierl (PDS), im Streit um die Neubesetzung des Postens auf Altbewährtes zurückzugreifen. Flierl hatte den Vertrag von Wilms nicht über 2006 hinaus verlängert.
Wilms und sein Team hätten "hervorragende Arbeit" geleistet, sagte Stölzl. Auch die von Flierl eingesetzte Findungskommission sollte "unbedingt" das Gespräch mit Wilms suchen, weil dieser als "Kandidat doch die besten Voraussetzungen" mitbringe.
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