Erinnerung an "dunkle Tage" in Berlin: Schröder eröffnet neue Akademie der Künste
zuletzt aktualisiert: 22.05.2005 - 12:01Berlin (rpo). Lange wurde gestritten, dann doch gebaut, am Samstag war es dann soweit: Gleich neben dem Brandenburger Tor wurde der Neubau der Berliner Akademie der Künste eröffnet. Bundeskanzler Gerhard Schröder erinnerte von etwa 700 geladenen Gästen an "dunkle Tage".
"Es ist eine große Wunde in der Geschichte der Akademie, dass 1933 nur wenige aufgestanden sind gegen die Gleichschaltungspolitik der Nationalsozialisten", sagte Schröder. Damals habe die Akademie ihre moralische Integrität verloren. Aus dieser dunklen Zeit folge die Verpflichtung von Kunst und Künstlern, sich einzumischen, betonte Schröder. "Ich wünsche mir die Akademie als eine Stätte der Unruhe", fügte er hinzu. Seit 2004 befindet sich die Akademie der Künste als einzige in Deutschland in der Trägerschaft des Bundes.
Unter den Gästen waren auch Bundespräsident Horst Köhler sowie Alt-Bundespräsident Johannes Rau. Aber auch zahlreiche Mitglieder der Akademie, wie die Schriftsteller Günter Grass und Walter Jens und der Regisseur Jürgen Flimm, waren zur Eröffnung an den Pariser Platz gekommen. Zudem waren 13 Schwesterakademien aus Deutschland und ganz Europa zu dem Festakt für den 56 Millionen teueren Neubau geladen. Bundespräsident Köhler sagte, Kunst und Künstler hätten in ihm einen Verbündeten. "So sehe ich mein Amt", betonte er.
Die Akademie ist ein Club der ausgewählten Dichter, Musiker und bildenden Künstler. Nur wer als Mitglied in geheimer Wahl berufen wird, dem stehen die Türen offen zu dem Traditionsclub. Derzeit können 373 Mitglieder stolz darauf sein, dazuzugehören. Ein Besuch im Cafe des Hauses sollte für Einheimische wie Touristen ein guter Anlass sein, das gesamte Gebäude bei einem Rundgang kennen zu lernen.
Ab 27. Mai ist das von dem Münchner Olympia-Architekten Günter Behnisch gebaute Haus mit der Glasfassade für die Öffentlichkeit zugänglich. Dann wird auch die Passage vom Brandenburger Tor zum Holocaust-Mahnmal durch den Neubau geöffnet sein.
Über neun Stockwerke erstreckt sich das Haus insgesamt, und immer wieder treffen Geschichte und Gegenwart aufeinander. Im Kellergewölbe schmücken noch Gemälde der alten Ost-Akademie die Wände, im Zentrum des Glasbaus erinnern die Ruinen an den alten Akademie-Bau. 1937 verdrängte Hitlers Architekt Albert Speer die Akademie und beanspruchte das Gebäude für seine Generalbaudirektion.
Nach dem Zweiten Weltkrieg waren am Pariser Platz von dem Gebäude an der Stelle nur die berühmten Liebermann-Säle übrig geblieben, benannt nach dem Leiter der Akademie von 1920 bis 1932, Max Liebermann. Von 1963 an teilten sich die Akademiker die Räume mit den DDR-Grenztruppen, die dort zwei Verhörbaracken und Zellen einbauten. Bereits 1990 wurde beschlossen, den Hauptsitz der Akademie der Künste am historischen Ort Pariser Platz 4 neu zu errichten.
Die Akademie befindet sich seit 2004 in der Trägerschaft des Bundes. Eine Akademie im Zentrum der Hauptstadt und im Zentrum der Republik wird künftig großen kulturpolitischen und künstlerischen Erwartungen gerecht werden müssen. Der Schweizer Schriftsteller Adolf Muschg ist seit 2003 Akademiepräsident.
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