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Sensationeller Fund eines Keltengrabs

Herbertingen (dapd) Mitten auf einem schneebedeckten Acker im Umfeld der Heuneburg bei Herbertingen stehen zwei Schwerlastkräne. Sie heben einen 7,5 mal 6 Meter großen Block aus der Erde: ein etwa 2600 Jahre altes keltisches Fürstinnengrab, bestens erhalten.

Als "Meilenstein der Archäologie" bezeichnet der Grabungsleiter und Landesarchäologe Dirk Krausse den Fund in Baden-Württemberg. Das Grab sei sehr gut erhalten und die reichen Schmuckbeigaben etwas ganz Besonderes. Sie ermöglichten erstmals die exakte Datierung eines frühkeltischen Fürstengrabes, erklärt er gestern bei der Bergung der Grabkammer.

Behutsam heben die Kräne den außergewöhnlichen Fund an dicken Stahlseilen auf einen Spezialtransporter. Etwa 120 Schaulustige wohnen dem Spektakel trotz Minustemperaturen bei. Ohne Risiko ist die Bergung nicht. "Das Gefährliche ist das Gewicht, da werden mal eben 100 Tonnen bewegt", sagt Grabungstechniker Hans Lang.

Der Boden und die Wände der Grabkammer bestehen aus Eichenbohlen, die laut Krausse sehr gut konserviert sind. Sie machen eine "Jahrringdatierung" möglich, bei der die Jahresringe des Holzes gezählt werden. Damit könne das Alter des Grabes aufs Jahr genau bestimmt werden. "Diese Datierung wird von enormer wissenschaftlicher Bedeutung sein und hat weitreichende Konsequenzen für die prähistorische Archäologie und die Landesgeschichte", erklärt Krausse. Im Sommer waren die Archäologen des Landesamts für Denkmalpflege auf das Kammerschachtgrab unterhalb der Heuneburg gestoßen. Ursprünglich lag es im Zentrum eines mächtigen Grabhügels, etwa 80 Zentimeter tief in der Erde. Beim Sondieren stießen die Forscher auf Frauenschmuck wie Perlen aus Gold und Bernstein. Eine Überraschung, denn die bisher entdeckten Zentralgräber rund um die Heuneburg waren "alle beraubt". Aufgrund der reichen Schmuckbeigaben geht der Archäologe davon aus, dass es sich um das Grab einer Frau aus dem Heuneburg-Adel handelt.

Dem Team von Dirk Krausse stehen arbeitsreiche Monate bevor. Im Labor des Landesdenkmalamts bei Stuttgart werden nun einzelne Erdblöcke frei präpariert, dann folgen hochauflösende computertomographische Untersuchungen. Die Ergebnisse sollen im Juni in Esslingen präsentiert werden.

(Rheinische Post)
 
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