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Komponist Dieter Falk
Singen und jazzen mit Martin Luther

Düsseldorf. Der Düsseldorfer Komponist Dieter Falk hat zwei neue CDs rund um den Reformator herausgebracht. Auf der einen hüllt er Lieder Luthers in ein neues Gewand, auf der anderen versammelt er Riesenchöre zu einem Oratorium. Von Wolfram Goertz

Der Mann habe "ein paar dumme Sachen" gesagt und sei überhaupt eine "krasse Person" gewesen. Ja, man könne von einem "ambivalenten Typen" sprechen. Andererseits habe dieser Mann sich um die deutsche Sprache und den deutschen Geist "total verdient" gemacht. Hier ist natürlich von Martin Luther die Rede, und unverkennbar äußert sich kein Mann der Kirche über ihn, der jedes Wort drei Mal abwägt, bevor er es ausspricht. Nein, hier äußert sich einer über Luther, der selbst geradeheraus spricht und denkt, ein Praktiker vom Fach, ein Menschenfischer und großer Begeisterer. Und wie Luther hat er ein Händchen für Musik und Melodien: Dieter Falk.

Falk ist ein Tausendsassa der modernen Pop-Musik, ein Teilchenbeschleuniger mit Sinn für das Volkstümliche und das Erhabene. Er hat als Pianist, Arrangeur und Produzent mit Jazz-Kapazitäten wie Lee Konitz, Bily Cobham oder Wolfgang Haffner gearbeitet, das ist alles andere als seichtes Fach. Aber er hatte auch Roger Chapman oder Nana Mouskouri an seiner Seite. Vielseitigkeit ist eines von Falks Erkennungszeichen, man könnte ihn vermutlich an jedem Ort, in jedem Club oder in jeder Bar der Welt ans Klavier setzen, er würde überall etwas Feines und Stilvolles aus dem Piano zaubern. Und wenn es nur der Hintergrund für einen Sänger oder Saxofonisten wäre. An der Düsseldorfer Musikhochschule hat er eine Professur inne.

Nun hat Falk zu Martin Luther gegriffen, und übergriffig ist das nicht, im Gegenteil. Falk, der Protestant, der auch in katholischen Kirchen gut und gern Musik gemacht hat, versichert sich Luthers, wie man sich eines treuen und inspirierenden Freunds versichert. Er geht herzhaft mit ihm um, er pumpt ihn an, aber er bittet ihn auch um Rat, wenn's mal nicht weitergeht. Wie eine gewachsene und sehr belastbare Beziehung lassen sich die beiden Luther-Platten hören, die Falk jetzt auf den Markt gebracht hat. Die eine ist etwas für den leisen Genießer, für denjenigen, der die Dehnbarkeit alter Melodien studieren will. Das tut "Tribute to Martin Luther" (erschienen bei Universal), eine still beginnende, aber sich großartig steigernde Liebeserklärung an den alten Songwriter Martin Luther, den er im einleitenden Osterlied gleichsam in neuem Leinen auferstehen lässt.

Da gibt es natürlich Percussions-Effekte, cremige Streicher, frivol sich spreizende Harmonien, aber immer streicht Falk die Eigenart eines Lieds heraus. "Ein feste Burg" klingt freudig staatstragend, als ob ein kirchliches Heeresmusikkorps im Hintergrund mitspielt. "Nun bitten wir den heiligen Geist" scheint tatsächlich von diesem erhört worden zu sein. Und so bekommt Luther über zwölf Lieder bis hin zu "In dulci jubilo" einen ganz satten und saftigen Groove, an dem Falks Musikerkollegen (neben den Söhnen Paul und Max ist auch Haffner am Schlagzeug wieder dabei) gehörigen Anteil haben.

Ist "Tribute to Martin Luther" sozusagen die ausgereizt-raffinierte Herangehensweise an den großen Reformator, so tönt sein Pop-Oratorium "Luther" (zu den Texten von Michael Kunze) ungleich populärer, teilweise sogar populistisch. Aber Falk versteht solche Wertung nicht als Tadel, im Gegenteil: Es ist ja ein "Projekt der tausend Stimmen", bei dem viele Laiensänger in kurzer Zeit ihren Vokalpart lernen müssen, und da kann man eben nicht komplizierte Harmonien in den Chorsatz schreiben. Das Werk, sagt der Meister selbst, habe "alle Anzeichen einen Blockbusters."

Das merkt Deutschland schon seit Längerem. Pünktlich zum Reformationsjubiläum 2017 versammelt das Werk an mehr als zehn Aufführungsorten Chöre von bis zu 3000 Menschen. Sie führen das opulente Musical mit Unterstützung eines Orchesters, einer Rockband und zahlreichen Musicalstars auf. Die Sängerinnen und Sänger der Chöre kommen dabei stets aus der jeweiligen Stadt oder Region. Die Uraufführung in Dortmund erlebten knapp 16.000 Besucher.

Luthers Leben wird in Rückblenden und Ausblicken rund um den Reichstag in Worms 1521 neu auf die Bühne gebracht - und stellt dabei in zeitgemäßer Form die Frage nach der persönlichen Überzeugung und der Verantwortung. Das hat auch die Paten überzeugt: Schirmherren der Veranstaltung sind Margot Käßmann, Botschafterin des Rats der Evangelischen Kirche für das Reformationsjubiläum, sowie Eckart von Hirschhausen, Moderator und Kabarettist. Das große Tourfinale in Berlin am 29.10.2017 wird vom ZDF übertragen. Zuvor kommt es auch nach Düsseldorf.

Quelle: RP
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