Kulturhauptstadt-Jahr: Spektakulärer Abschluss in vier Städten
VON INGO HODDICK - zuletzt aktualisiert: 18.12.2010 - 22:03Essen/Duisburg (RPO). Mit einer Abschlussfeier an vier Orten hat das Ruhrgebiet am Samstag das Finale des Kulturhauptstadtjahres gefeiert. In Gelsenkirchen, Dortmund, Essen und Duisburg fanden Bühnenprogramme mit Theater, Lichtinszenierungen und Musik statt. Veranstalter zeigten sich sehr zufrieden.
Mit einem Finale an vier Orten ging das Jahr der Kulturhauptstadt Ruhr 2010 am vergangenen Wochenende zu Ende, für Duisburg war es der Innenhafen am Museum Küppersmühle. Die wenigen, aber lautstarken Anti-Sauerland-Demonstranten in Duisburg blieben in gebührender Entfernung, so konnte unter der Autobahnbrücke eine würdige Feier im Schatten der Loveparade-Katastrophe ablaufen.
Pleitgen und Kraft sehr angetan
"Ich glaube, die europäische Jury hätte keine bessere Wahl treffen können, als Essen zur Kulturhauptstadt zu machen", sagte Fritz Pleitgen, Geschäftsführer der Ruhr.2010 GmbH. Auch die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) blickte positiv auf das Jahr 2010 zurück. Es sei fantastisch gewesen. "Ich bin begeistert und das Wichtigste ist, dass die Bürgerinnen und Bürger stolz sind auf ihre Region", sagte Kraft weiter. Das Land werde das Ruhrgebiet weiter unterstützen.
Dezent, aber hoffnungsfroh blieben die „Erinnerungselemente“. Auf dem halb zugefrorenen Innenhafen schwamm ein Floß mit Kerzen und mit Rettungsfolie - da ließ sich sowohl an das Gedenken an die Opfer der Loveparade denken als auch an das kommende Weihnachtsfest. Am anderen Ende des ehemaligen Hafenbeckens, in Höhe des Hafenforums, leuchteten zwei gelbe Ballons der „SchachtZeichen“.
Höhepunkt in Duisburg
Höhepunkt des Abends unter freiem Himmel in Duisburg war die Performance „Ithaka“ des renommierten Regisseurs Johannes Lepper. Der bekannte Sprecher Christian Brückner saß dabei in einer Kabine hoch über der letzten Querung des Innenhafens und las mit der von ihm gewohnten Klarheit zwei kurze Stücke großer Literatur. Zum einen ein Kunstmärchen von Hermann Hesse mit der Quintessenz, dass Krieg schlimmer ist als Katastrophen und dass beides nur mit angemessenem Gedenken bewältigt werden kann. Zum anderen jene kurze Passage aus Homers „Odyssee“, in der Odysseus berichtet, dass ihm ein Seher voraussagte, dass er erst wieder zu Hause - eben in Ithaka - sein wird, wenn jemand das Ruder des Irrfahrers für eine Schaufel hält.
Dazu steuerte das 15-köpfige Tim Isfort Orchester eine eigens komponierte, spannungsvolle und auch mal drastisch bildhafte Musik bei, die sich am Ende in dem Choral „Trost der Welt“ entspannt. Angenehm sparsam, aber immer wieder überraschend: die Lichteffekte von Jan Wagner und Matthias Neuenhofer, die sich vor allem auf das Museum Küppersmühle und seinen zukünftigen Erweiterungsbau bezogen, der noch unfertig daneben auf der Erde steht.
Die angestrebte „Entschleunigung“ gelang. Doch bei Schnee und Eis am Boden sowie Minusgraden waren die flotten Rhythmen zuvor und hernach sowie die angebotenen warmen Lebensmittel auch wieder willkommen. Gut 1000 Besucher froren fröhlich.
Das Kulturhauptstadtjahr vereinte Veranstaltungen in den 53 Kommunen der Ruhrgebiets in einem Programm. Nach Angaben der Ruhr.2010 GmbH gab es mehr als 5 600 Veranstaltungen, die rund 10,5 Millionen Menschen besuchten. Stellvertretend für das Ruhrgebiet war Essen, genauso wie das ungarische Pécs und Istanbul, Kulturhauptstadt des Kontinents in diesem Jahr. 2011 tragen Tallinn (Estland) und Turku (Finnland) diesen Titel
Überschattet von Loveparade-Katastrophe
Das "Ruhr 2010"-Jahr wurde überschattet von der Katastrophe bei der Duisburger Loveparade am 24. Juli. Die Technoparade war ins Veranstaltungsprogramm des Hauptstadt-Programms aufgenommen worden. Bei einer Massenpanik auf der Loveparade kamen 21 Menschen zu Tode, mehr als 500 wurden verletzt.
(mit Agenturmaterial)
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