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Spuren eines gemeinsamen Lebens

Richard Ford widmet den Eltern mit "Zwischen ihnen" ein bewegendes Buch.

Die Tatsache, dass Leben wie Tod oft unbemerkt bleiben, schreibt Richard Ford im Nachwort, habe das kleine Buch über seine verstorbenen Eltern angeregt. Weder Vater noch Mutter haben etwas Besonderes geleistet. Beide waren, wie man so sagt, "normale" Menschen. Aber können Eltern für ein Kind überhaupt normale Menschen sein?

"Ein Erinnerungsbuch zu schreiben und die Bedeutung eines anderen Menschen zu ermessen ist auch ein Versuch, dem gerecht zu werden, was sonst unbemerkt bliebe", schreibt der US-Amerikaner in "Zwischen ihnen", der zwei jeweils knapp 70 Seiten starke Texte enthält. Der erste ist in den vergangenen Jahren entstanden und widmet sich dem 1960 verstorbenen Vater. Den zweiten hat der Autor kurz nach dem Tod der Mutter 1981 geschrieben. Zwischen beiden liegen also 30 Jahre.

Der Vater Parker ist 24 als er die 17-jährige Edna kennenlernt und heiratet. Als Handlungsreisender der Firma Faultless verkauft er Wäschestärke, ist ständig unterwegs. Edna begleitet ihn. Die beiden lieben sich, wohnen in Hotels, führen ein Leben "on the road". Bis im Winter 1944 Richard geboren wird. Das ändert alles. Wegen dem Kind kann Edna ihren Mann nicht mehr begleiten. Nur noch an Wochenenden ist Parker daheim. "Sein Lederkoffer war nie ausgepackt." Die ständige Abwesenheit macht ihn aus. Wenn er heimkommt, will die Mutter ihn mit Problemen nicht belasten. Das schafft zwischen ihr und dem Sohn eine Atmosphäre "des einvernehmlichen Vertuschens, der kleinen Heucheleien".

Der Sohn beschreibt den Vater als Mann, der gerne glücklich war. "Größere Herausforderungen hätten ihn nur entmutigt." Er war ein "Mensch, der das Leben so nahm wie es halt kam, und allem, woran er nicht denken wollte, geschickt auswich". Die Doppelhaushälfte mit Kaufoption in Jackson / Mississippi ist für ihn Ausdruck dafür, dass er es geschafft hat. Der erste Herzanfall ist ein Schock. Richard ist da gerade mal vier. Am zweiten stirbt der Vater. Richard Ford verklärt nichts, der schwelende Vorwurf an den abwesenden Vater ist ebenso da wie die Schuldgefühle später, als die Mutter an Krebs erkrankt und der Sohn weit weg lebt. In einer präzisen Sprache zeichnet er die Porträts seiner Eltern, die sich ein Leben lang genug waren. So ist das Buch ein bewegendes Zeugnis ihrer Liebe geworden.

(grom)
 
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