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Stil-Kolumne
Eine Rede ziert jedes Fest!

Stil-Kolumne: Eine Rede ziert jedes Fest!
Martin Bewerunge FOTO: Ronny Hendrichs
Düsseldorf. Ein 50. Geburtstag ist keine Studentenparty. Doch wie oft kommt es vor, dass man zu einer Feier aus besonderem Anlass eingeladen ist, dem Gastgeber ein Geschenk überreicht, sich setzt, isst, trinkt, vielleicht tanzt, alte Bekannte wiedertrifft - und dann nach Hause geht mit dem Gefühl: Es war ja ganz nett, aber irgendwie auch beliebig? Der eigentliche Grund des Beisammenseins ist im Hintergrund geblieben. Es gab keinen, der ihn gewürdigt hätte. Ein Jammer. Von Martin Bewerunge

Eine Rede hingegen verleiht jedem Zusammentreffen sofort einen besonderen Rahmen. Sie gibt dem Fest sein Fundament. Sie vermag ein Band um die Schar der Gäste zu schmieden, die sich untereinander womöglich gar nicht kennen. Und sie sorgt dafür, dass die Gemeinschaft aller für einen Moment lang mit Händen zu greifen ist, bevor man sich wieder seinem Gegenüber zuwendet. Deshalb ist eine Rede so wichtig. Mit einer persönlichen Ansprache bringt der Gastgeber nicht nur Wertschätzung gegenüber seinen Gästen zum Ausdruck. Er kann damit alle überraschen, sie zum Lachen bringen und rühren. Es gibt nichts, was mehr verbindet. Eine Rede zu halten, beweist Stil. Und Stil hat immer etwas mit Respekt zu tun.

Freilich gibt es einen Unterschied zwischen Sprechen und Reden. Letzteres zeichnet sich durch ein Mindestmaß an Vorbereitung aus. Ein guter Redner muss kein rhetorisches Feuerwerk abbrennen. Einfache, von Herzen kommende Worte bewirken viel mehr. Wenn Sie aufgeregt sind, verheimlichen Sie es nicht - niemand wird es Ihnen verübeln. Aber überlegen Sie sich vorher, was Sie sagen wollen. Vielleicht, dass man mit 50 Jahren weiß, dass gute Freunde mit das Beste sind, was einem im Leben widerfahren kann. Dass man mit 40 das Alter der Jugend erreicht hatte, es aber nun mit 50 gegen die Jugend des Alters tauscht. Dass Sie sich auf ein Wiedersehen gefreut haben, weil so viele gemeinsame Erinnerungen wach werden. Reden Sie darüber, was Sie mit den einzelnen Gästen verbindet, und stellen Sie sie auf diese Weise einander vor. Aber Vorsicht: Dafür darf die Gruppe nicht zu groß sein. Sonst wird das Ganze ermüdend. Langweilen dürfen Sie Ihre Gäste auf keinen Fall. Es gilt, den alten Satz des berühmten US-Schriftstellers Mark Twain zu berücksichtigen: Man kann über alles reden, bloß nicht über fünf Minuten!

Quelle: RP
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