Zentralrat der Juden fordert Absage: Streit um "Flick-Collection"
zuletzt aktualisiert: 24.05.2004 - 16:08Berlin (rpo). Bei der Präsentation der so genannten "Flick-Collection" in Berlin kommt es bei den Vertretern jüdischer Institutionen zu Meinungsverschiedenheiten. Nach Angaben des Spiegels befürwortet Michael Blumenthal, der Direktor des Jüdischen Museums Berlin es, dass Friedrich Christian Flick mit seinem Geld eine Kunstsammlung aufgebaut habe und diese nun veröffentlichen wolle.
Vom Zentralrat der Juden in Deutschland war hingegen heftige Kritik an der Kunstausstellung geäußert worden. Direktoriums-Mitglied Michael Fürst forderte einem Bericht des Düsseldorfer "Handelsblatts" zufolge, die Absage der ab Herbst geplanten Präsentation der "Flick-Collection".
Salomon Korn, stellvertretender Vorsitzender des Zentralrats der Juden, hatte zuvor kritisiert, der Industriellen-Erben Flick wolle mit der Ausstellung seiner Kunstbestände die Geschichte seiner Familie, insbesondere die Verbrechen während der NS-Zeit, "reinwaschen".
Blumenthal betonte hingegen, Flick habe "nichts getan oder gesagt, was auf eine Sympathie mit den Taten seiner Vorfahren schließen lässt". Er empfehle Flick aber, "deutlicher zu zeigen, dass er Verständnis hat für die Probleme der Vergangenheit und der heutigen Juden in Deutschland".
Fürst schrieb in einem vom "Handelsblatt" zitierten Brief an Flick, die Herausstellung des Familiennamens in der ehemaligen Reichshauptstadt bedeute eine "unerträgliche Provokation all jener, die Hunger, Demütigungen und Quälereien als Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge in den Unternehmen Ihres Großvaters ertragen mussten".
Die Kunstsammlung soll unter dem Namen "Flick-Collection" für mindestens sieben Jahre in Berlin ausgestellt werden. Flick lässt dafür für 7,5 Millionen Euro eine Halle umbauen. Das Projekt wird sowohl vom Berliner Senat als auch der Bundesregierung unterstützt. In Zürich war das Vorhaben dagegen abgelehnt worden. Streitpunkt war auch dort gewesen, dass der Großvater des Kunstsammlers, Friedrich Flick, zu den größten Rüstungslieferanten des NS-Regimes gehört hatte.
(Quelle: Blumenthal im "Spiegel", Fürst im "Handelsblatt", Samstagausgabe)
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