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Regisseur geht nach fünf fulminanten Jahren: Stromberg verlässt Hamburger Schauspielhaus

zuletzt aktualisiert: 16.05.2005 - 14:03

Hamburg (rpo). Zuerst kam der große Fehlstart, dann der große Erfolg. Jetzt verlässt Tom Stromberg das Hamburger Schauspielhaus. Der Intendant des größten deutschen Sprechtheater blickt zurück - nicht im Zorn.

Der Anfang war verkorkst - Tom Stromberg sagt trotzdem Danke.  Foto: ddp, ddp
Der Anfang war verkorkst - Tom Stromberg sagt trotzdem Danke. Foto: ddp, ddp

Fünf Jahre nach seinem Stromberg in Hamburg die breite Anerkennung von Publikum und Kritikern. Doch jetzt ist Schluss, der 45-Jährige geht zum Ende dieser Spielzeit. "Ein Rückblick ohne Ressentiments", sagt er. Im Dauerkonflikt mit der damaligen Kultursenatorin der Beust/Schill-Regierung, Dana Horakova, hatte er den Kürzeren gezogen. Horakova, selbst keine Theatergängerin, verlängerte seinen 2005 auslaufenden Vertrag nicht.

In den vorausgegangenen sieben Baumbauer-Jahren hatten fast alle Feuilletons das Schauspielhaus als das aufregendste Theater Deutschlands gefeiert. Doch Frank Baumbauer habe in München dieselben Startschwierigkeiten gehabt, sagt Stromberg. "Eine neue Intendanz, die einen Schnitt macht, braucht Zeit." Sicher sei es auch ein langer Lernprozess gewesen, in dem Regisseure, Schauspieler und Intendanz gelernt hätten, eine gemeinsame Sprache zu finden.

Über den Start Strombergs in Hamburg mäkelten Publikum und Kritiker gleichermaßen: Mit Helmut Kraussers schwacher Sozialgroteske "Haltestelle. Geister" und danach mit der eher dilettantisch wirkenden Tanzcollage "The Show Must Go On" hatte er in der Stadt schnell ein negatives Image. Die "Zeit" unterstellte damals eine "bewusste Verweigerung von Könnerschaft".

"An der Programmatik hat sich im Verlauf der vergangenen Jahre relativ wenig geändert, wir haben in der ersten Spielzeit genauso viele Klassiker gemacht wie heute", sagt Stromberg. Der große Unterschied sei, dass alle gelernt hätten, mit dem Haus umzugehen. "Das ist einfach ein Haus, das die ganz große Geste braucht." "The Show Must Go On!" wurde bei der Kritikerumfrage von der "Ballettanz" zu einer der wichtigsten Tanz-Inszenierungen der Spielzeit 2000/2001 gewählt.

Doch dann kamen die großen Klassiker und die bekannten Schauspieler ans Haus, die das Publikum anlockten: Shakespeares "Romeo und Julia" mit Teenie-Darling Robert Stadlober, "Don Karlos" mit August Diehl, "Faust I" mit Edgar Selge. Und plötzlich wurden auch die großartigen Produktionen der Regisseure wie Jürgen Gosch und Stefan Pucher lobend wahrgenommen. Zu Strombergs schwierigsten Zeiten hatten diese mit "Vorher/Nachher" und "Die Möwe" ebenfalls bemerkenswerte Arbeiten vorgelegt. Doch auch das ging im verdammenden Urteil über das Schauspielhaus unter.

30 Prozent Schüler

Am 6. Mai nun eröffnete die aktuelle Produktion des Schauspielhauses, ein mitreißender "Othello" in der Regie von Stefan Pucher, das Theatertreffen in Berlin. "Unser Publikum ist heute sehr unterschiedlich. Zu uns kommen alle, wir holen auch viele junge Leute ins Theater: fast 30 Prozent Schüler- und Studenten, darauf sind wir sehr stolz", sagt Stromberg.

An die Elbe geholt hatte den Theatermann, der Kulturchef der Weltausstellung EXPO 2000 war und zuvor die Frankfurter Experimentierbühne Theater am Turm geleitet hatte, die jetzige Kulturstaatsministerin Christina Weiss (parteilos), damals noch Kultursenatorin in Hamburg.

"Jetzt kann ich lustvoll weggehen. Das ganze Haus hat sich entkrampft, auch von dem Druck von außen", betont Stromberg. Sein Nachfolger Friedrich Schirmer vom Stuttgarter Staatstheater habe den Vorteil, dass er einige erfolgreiche Stücke wie zum Beispiel "Faust" mitbringe. Damit habe er ein funktionierendes Repertoire mit drei bis vier großen Stücken. Eine ähnliche Situation habe er zu seinem Amtsantritt nicht vorgefunden.

Aus seinen Plänen, sich nach Hamburg ein ganzes Jahr lang eine Auszeit zu nehmen, wird nun aber nichts. Gemeinsam mit Regie-Altmeister Peter Zadek hat Stromberg eine Firma gegründet, die Shakespeare-Aufführungen mit Theatern und Festivals produziert.

Quelle: afp

 
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