Kardinal Sterzinsky will den Motiven genau nachgehen: Tabubruch beim Ökumenischen Kirchentag
zuletzt aktualisiert: 29.05.2003 - 21:28Berlin (rpo). Die Katholischen Amtskirche ist strikt dagegen und dennoch: Ein katholischer Priester hat am Rande des Ökumenischen Kirchentages ein Ökumenisches Abendmahl zelebriert.
Zu der vom Papst verbotenen gemeinsamen Abendmahlsfeier von Katholiken und Protestanten sind am Donnerstagabend in Berlin etwa 2000 Christen zusammengekommen. Die katholische Messe in der Gethsemane-Kirche hielt der katholische Theologieprofessor und Priester Gotthold Hasenhüttl. Er lehrt an der Universität des Saarlandes. Sein Name war von den Veranstaltern bis kurz nach Beginn der Messe wegen angedrohter Sanktionen der katholischen Kirche geheim gehalten worden. Die Predigt hielt die evangelische Pfarrerin Brigitte Enzner-Probst. Am Samstagabend soll eine weitere Abendmahlfeier stattfinden - dann nach evangelischem Ritus, wobei ein katholischer Geistlicher die Predigt halten soll.
"Alle sind eingeladen zum Empfang des Abendmahls." Auf diesen einfachen und doch bedeutungsschweren Satz warten Katholiken und Protestanten an diesem Abend gespannt. Gotthold Hasenhüttl spricht ihn mit ernster Miene, der Fernsehsender n-tv überträgt live. Es scheint, als ringe der Theologe mit sich, ob er den Tabu-Bruch der förmlichen Einladung auch an die andere Konfession wagen sollte. Doch der Schritt ist getan; am Ende wird der 1933 in Graz geborene Geistliche die Körbe mit dem Brot heben und sich an alle wenden: "Ihr seid der Leib Christi, empfanget nun, was ihr seid."
Kardinal will Mahlfeier genau prüfen
Papst Johannes Paul II. ging in einer Grußbotschaft auf das von vielen Christen zum Kirchentag gewünschte, aber von ihm selbst abgelehnte gemeinsame Abendmahl nur indirekt ein: "Ihr wohnt in dem Land, in dem die westliche Kirchenspaltung ihren Anfang nahm. Viele Schritte zur Versöhnung sind schon erfolgt. Setzt diese Bemühungen mit Sensibilität und Rücksichtnahme aufeinander, in Geduld und zugleich mit Mut in Ehrfurcht vor der Wahrheit und in aufrichtiger Liebe fort."
Der katholische Kardinal Georg Sterzinsky sagte am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Berlin, die gemeinsame Mahlfeier sei nicht Sache des Kirchentages, sondern Sache von Theologen. Sollte es doch zu gemeinsamen Mahlfeiern kommen, so werde er dem sehr genau nachgehen und prüfen, was sich die Handelnden dabei gedacht hätten.
"Es bleibt eine Schmez zurück"
Der evangelische Landesbischof von Berlin und Brandenburg, Wolfgang Huber, wies auf einen Gottesdienst am Vormittag hin, bei dem er gemeinsam mit einem anglikanischen Geistlichen gemeinsam Abendmahl gefeiert hatte. "Solange wir uns nicht gegenseitig zum Abendmahl einladen können, bleibt ein Schmerz zurück", sagte er im Hinblick auf die katholische Kirche.
Beeindruckt zeigten sich beide Geistliche vom Auftakt des ersten Ökumenischen Kirchentages. "Es wäre ein Rückschlag, wenn es keine weiteren ökumenischen Kirchentage mehr gebe", sagte Sterzinsky. Huber unterstrich: "Wir dürfen auf mehr hoffen."
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