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Düsseldorf
"Tatort"-Kommissare mit weihnachtlichem Streichquintett

Düsseldorf. Der Düsseldorfer Robert-Schumann-Saal lockt mit einem attraktiven Angebot aus Wort und Musik. Auch Bruno Ganz liest. Von Wolfram Goertz

Symphoniekonzert, Oper oder Klavierabend sind heilige Gattungen, in denen die Aufmerksamkeit des Auditoriums ausschließlich der Musik gilt. Ruhe bitte, nicht reden! Puristische Veranstaltungen sind das eine, das geistreiche Crossover der Künste aber das andere. Neue Musik im Museum, Jazz im Maleratelier, Lesungen im Konzertsaal: Da fegt frischer Wind durch alte Tempel. Hinreißend bewährt sich die Lust auf unverbrauchte Kombinationen etwa bei der CD-Edition "Seeigel", die Märchen mit Klassik vereint. Soeben hat Eva Mattes auf der neuen Produktion aus der "Seeigel"-Manufaktur subtil und gewinnend "Rapunzel" der Brüder Grimm gelesen, dazu erklingt Musik von Bach und aus dem alten Syrien. Das ist als Kombi-Produkt einfach wunderbar.

Eine treffliche Mischung in diesem interdisziplinären Feld bietet der Robert-Schumann-Saal in Düsseldorf in seinem neuen Saisonprogramm. Seit Jahren schon gibt es dort die (von Eckart Schulze-Neuhoff konzipierte und sehr beliebte) Reihe "Zweiklang", die berühmte Schauspieler spannende Texte lesen lässt und dazu klassische Musik anbietet. Hierbei treten die Musen in einen lebendigen Dialog und sind auch für ein ganz breites Publikum attraktiv.

So können sich die TV-, Wort- und Musikfreunde ganz gewiss auf die spannende und zugleich heimelige "Weihnachtsgeschichte" des großen Engländers Charles Dickens freuen, die am Sonntag, 18. Dezember, 18 Uhr von den Münchner "Tatort"-Kommissaren Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl im Schumann-Saal gelesen wird. Dazu spielt das Streichquintett des SWR-Radio-Sinfonieorchesters. Nemec wird die Fusion von Text und Ton freuen, denn der kroatische Schauspieler hat klassisches Klavier am Salzburger Mozarteum studiert und ist noch heute in seiner karg bemessenen Freizeit an Tasten aktiv.

Eine andere Hochpotenz aus dem Bühnen-, Film- und Fernsehwesen ist natürlich der Schweizer Schauspieler Bruno Ganz. Der zählt zu den Meistern seines Fachs und verwandelt jedes Publikum durch die Sonorität seiner Stimme und die Einmaligkeit seiner Deklamation in eine Andachtsrunde. Diese Kunst wird er am 30. April im Robert-Schumann-Saal einem Meisterwerk aus dem Fach Melodram widmen: "Enoch Arden", dem schauerlich-grandiosen Frühwerk des Komponisten Richard Strauss. Den Klavierpart spielt der großartige Pianist Kirill Gerstein, der soeben mit neuen Liszt- und Tschaikowski-Platten imponierte.

Ein weiterer Star in der Reihe "Zweiklang" ist Suzanne von Borsody, die Zeugnisse aus dem Leben des Malers Paul Gauguin rezitiert; dazu ertönt passend Musik des französischen Impressionismus. Friedrich von Thun liest sodann das unverwüstliche Opus "Der alte Mann und das Meer" von Ernest Hemingway, wozu Max Neissendörfer am Klavier improvisiert. Und Dominique Horwitz wird als Schauspieler und Chansonnier in Franz Schuberts Welt eindringen: "Erlkönigs Verwandlung" heißt sein Abend.

Auch in anderen Reihen bietet der Robert-Schumann-Saal (RSS) im Museum Kunstpalast musikalische Kostbarkeiten, zu denen halt gern auch gesprochen wird. So kommt der Geiger und Buchautor Daniel Hope (immerhin Schüler von Yehudi Menuhin) für vier Abende mit dem Pianisten Sebastian Knauer; sie bieten im Duo einen üppigen Strauß Musik von Mozart bis Gershwin, und natürlich moderieren sie selbst. Auch das Quatuor Ebène, ganz gewiss eines der besten Streichquartette der Gegenwart, ist Stammgast im RSS, dessen Akustik für Kammermusik als vorbildlich gilt. Eine kleine Jazzreihe (inklusive des neuen Minifestivals "Spot on Jazz") und die beliebte Serie "440 Hz" mit noch recht jungen Künstlern runden das Angebot ab.

Auch hier gilt das Motto: Steif geht's niemals zu im Robert-Schumann-Saal.

Info www.robert-schumann-saal.de

Quelle: RP
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