| 08.17 Uhr

Köln
Theaterstück über die dunkle Seite des Internets

Köln. Angela Richter führte ihr Stück "Silk Road" in Köln auf. Und Edward Snowden machte auch mit. Von Marion Meyer

Dunkle Machenschaften findet man im Darknet. "Das Darknet ist der Teil des Internets, der sich bemüht, nicht entdeckt zu werden", sagt Edward Snowden im Interview mit Angela Richter. Die Regisseurin ist Anfang März nach Moskau gereist, um dort ein Interview mit dem berühmten Whistleblower zu führen. Teile davon finden sich - leider ohne Untertitel - in ihrem neuen Theaterstück "Silk Road", das nun in Köln uraufgeführt wurde.

Dass eine Reise in den finsteren Teil des Internets, in der sich Freiheitssucher genauso tummeln wie Kriminelle und Drogendealer, unterhaltsam sein kann, zeigt dieser Abend. Aber auch, dass das Theater an Grenzen stößt, wenn es versucht, einen virtuellen Raum darzustellen.

Blutrote Glühbirnen hängen an Schnüren von der Decke, schaffen einen Cyber-Wald aus Leuchtdioden, in denen sich die Figuren verirren, verloren im Datendschungel des World Wide Web. Dass es auch ein Deep Web gibt, von dem nur der Teil des Darknets zugänglich ist, das alles lernt man an dem Abend.

Man bekommt dieses Darknet und seine Handelsplattform Silk Road sogar live am Computer vorgeführt, während das Bild auf eine Leinwand übertragen wird. Dort kann man etwa Drogen kaufen, per Mausklick zum Opium, Lieferung frei Haus. Aber neben den kriminellen Möglichkeiten bietet diese virtuelle Seidenstraße Möglichkeiten, unbemerkt an Informationen zu kommen. Was für politische Aktivisten von Vorteil sein kann.

Der Abend vermittelt die Faszination des Verbotenen, sich unbemerkt, ohne digitalen Fußabdruck, im Netz zu bewegen. Wären da nicht die beiden FBI-Schnüffler Uwe und Uwe, die gleich zu Beginn äußerst komisch ihre Taktik erklären, auf der Silk Road zu ermitteln - Achtung Kalauer - anhand von Glasfaserkabel und Glasmotherkabel.

In ihrem neuen Abend verhandelt Angela Richter äußerst komplexe heutige Themen. Dafür ist sie mittlerweile bekannt. Sie sprach mit WikiLeaks-Gründer Julian Assange für ihre Inszenierung von "Assassinate Assange" und engagiert sich seitdem für Internetaktivisten, die sie auch in "Silk Road" zu Wort kommen lässt. In dem Großprojekt "Supernerds" hat sich Angela Richter, seit 2013 Hausregisseurin am Schauspiel Köln, vergangenes Jahr digitalen Dissidenten gewidmet, und ist dafür mittlerweile für zahlreiche Preise nominiert.

Fünf Schauspieler (Yuri Englert, Guido Lambrecht, Justus Maier, Judith Rosmair und Malte Sundermann) gehen diesmal mit ihr auf die Reise in die dunkle Seite des Internets. Mal sprechen sie wie ein antiker Chor in eine Webcam, mal schlüpfen sie in irrwitzige Verkleidungen, um ihre Identitäten zu verschleiern. Nach einer starken, konzentrierten ersten Hälfte, flacht der 90-minütige Abend etwas ab, verzettelt sich, will zu viel erzählen. Spannend wird es beim Thema Privatsphäre. Denn was passiert, wenn der Körper längst tot ist, das Gehirn eines Menschen aber anhand der gesammelten Daten weiterlebt? Angela Richter gibt viele Denkanstöße.

Info Nächste Vorstellungen am 6., 13. und 20. Mai. Tickets unter Tel. 0221 221 28400.

Quelle: RP
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