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Mailand
Tod eines Clowns: Dario Fo stirbt im Alter von 90 Jahren

Mailand. Das Staunen war nicht gering, als im Oktober 1997 Stockholm ausgerechnet ihn zum Literaturnobelpreisträger kürte. Ausgerechnet Dario Fo! Ein Possenreißer, der sich als Clown verstand und selbst als "Hanswurst" bezeichnete. Im Kreis all der ehrenwerten Preisträger nahm sich der italienische Dramatiker wie ein Exot aus, wie eine Laune der Jury, die der Geschichte des Literaturnobelpreises eine weitere Anekdote hinzufügte. Natürlich tat man Dario Fo, seinem Werk, vor allem seinem Wirken damit unrecht. Das Phänomenale an ihm war zugleich, dass man mit der Kritik auch richtig lag und Fo selbst vielleicht zugestimmt hätte - laut lachend selbstverständlich. Weil auf seiner Bühne das eine ohne das andere wirkungslos blieb, also das literarische Werk ohne das soziale, immens politische Anliegen. Und das musste laut, frech, am besten derb und zotig sein, wie man es in der verkopften und verbürgerten Kultur des 20. Jahrhunderts so nicht mehr gewohnt war.

Es erregte einige Gemüter, wenn der Abstand zwischen dem, was auf der Bühne provokant gespielt wurde, und dem, was auf der Straße zu erleben war, immer geringer wurde. Ein Indiz dafür waren die 40 Anzeigen, die ihn wegen Beleidigung vor den Richter brachten. In seinen fast 30, oft mit seiner Frau gemeinsam geschriebenen Werken - wie "Mistero Buffo" und "Die offene Zweierbeziehung" - ist Dario Fo sich treu und ein Gaukler im besten Sinne geblieben: indem er die Mächtigen verspottete und ihnen unerschrocken ins Gesicht lachte. Gestern ist Dario Fo 90-jährig in Mailand gestorben - am Tag der Nobelpreisverkündigung für Bob Dylan.

(los)
 
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