| 10.50 Uhr

Köln
"Trauung Homosexueller erschwert Ökumene"

Köln. Weihbischof Schwaderlapp will bei Kommunion wiederverheirateter Geschiedener auf Rom warten. Von Jörg Janssen

Für den früheren Generalvikar und heutigen Weihbischof des Erzbistums Köln, Dominikus Schwaderlapp, erschwert die Entscheidung der evangelischen Kirche im Rheinland, künftig homosexuelle Paare zu trauen, die Ökumene. Im Gespräch mit unserer Redaktion sagte der 48-Jährige: "Ich sehe diese Entscheidung schon mit einer gewissen Trauer. Es ist zumindest kein Schritt zueinander, sondern etwas, das einen Graben eher etwas vertieft." Die Entscheidung der rheinischen Protestanten mache insgesamt den ökumenischen Prozess schwieriger, dies gelte gerade auch mit Blick auf die orthodoxen Kirchen. Zudem werde das Thema innerhalb des Protestantismus keineswegs einheitlich besprochen.

Zurückhaltend bewertet Schwaderlapp das Thema Frauenpriestertum und Kommunionempfang von wiederverheirateten Geschiedenen. Letzterer ist Katholiken ungeachtet einer bisweilen abweichenden seelsorgerischen Praxis untersagt, es sei denn, die erste Ehe wurde von einem Kirchengericht für nichtig erklärt. Betroffene Katholiken hatten mit Blick auf die Bischofssynode zu Familienfragen im vergangenen Herbst in Rom Hoffnung geschöpft, bald auch mit dem offiziellen Segen ihrer Ortskirche die Kommunion und das Bußsakrament empfangen zu können. Die damit verbundenen Fragen gehen nach Schwaderlapps Einschätzung "allerdings weit über den bloßen Kommunionempfang hinaus". Die Synode sei hier noch nicht an ihr Ende gekommen. "Man darf gespannt sein, was der Heilige Vater da mitgenommen hat und was er dazu sagt."

Die Rolle der Frauen in der Kirche sieht der Weihbischof auf einem guten Weg. Aus den Gemeinden und der Seelsorge vor Ort seien sie nicht wegzudenken, immer mehr Führungspositionen im Erzbistum würden mit Frauen besetzt. Leider fokussiere sich die Debatte immer auf den Dienst als Priester. "Letztlich sind wir Bischöfe und Priester doch so etwas wie eine Tankstelle, an der Gläubige Treibstoff tanken, mit dessen Hilfe sie besser durch ihren Alltag kommen. Ich habe aber noch nicht erlebt, dass nun unbedingt alle Tankwart werden wollen und dies die Sehnsucht aller Dinge sei", sagt Schwaderlapp.

Der für Düsseldorf und den Norden des Erzbistums zuständige Bischof glaubt nicht, dass ein neuer Umgang mit Frauen, wiederverheirateten Geschiedenen und Homosexuellen tatsächlich den Glauben in einer zunehmend säkularen Welt stärkt. "Es gibt doch christliche Konfessionen, die das alles ganz anders handhaben. Mein Eindruck ist aber nicht, dass dies zur Lösung aller religiösen Fragen oder zu einem Aufbruch des Christentums in der westlichen Welt führt", meint Schwaderlapp. Die Kirche habe eine prophetische Sendung, bilde nicht zwangsläufig Lebenswirklichkeiten ab, sondern formuliere Ziele und Botschaften. "Wer das Evangelium immer an das anpasst, was gerade dem Gefühl der Zeit entspricht, macht es beliebig."

In der Flüchtlingsfrage vertritt der aus dem Westerwald stammende Domkapitular im Wesentlichen die Position der Kanzlerin und der sie stützenden Kräfte. Von Obergrenzen halte er nichts, sagt der Bischof. "Solche Grenzen sind schwierig, weil sie Menschen nur nach Masse und nach Nummern einteilen. Wir können nicht sagen: Du bist über der festgelegten Zahl, die wir aufnehmen, geh' wieder zurück."

Selbstverständlich müssten die Schutzsuchenden die im Grundgesetz verankerten Werte und Regeln respektieren und annehmen. An einer grundsätzlich offenen und solidarischen Haltung ändere das nichts. Kirche kenne keine Ausländer, sie sei seit ihrer Gründung multinational und multikulturell. "Deutschland ist ein freies, großes, sicheres und wohlhabendes Land. Da ist es grundsätzlich richtig zu sagen: Wir schaffen das - willkommen."

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Köln: "Trauung Homosexueller erschwert Ökumene"


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.