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Frankfurt/Main
Ulay und seine Muse Abramovic

Frankfurt/Main. Frankfurter Schirn stellt das Werk des Perfomance-Künstlers Ulay vor. Von Thomas Maier

Auf der Chinesischen Mauer ist sich das Künstlerpaar Ulay und Marina Abramovic 1988 auf rund 4000 Kilometer entgegengewandert. Nach 90 Tagen trafen sie aufeinander - und verabschiedeten sich für immer. Es war die spektakuläre Abschluss-Performance eines Paares, das mit seinen bizarren Aktionen für Aufsehen gesorgt hatte.

Nach der Trennung wurde Abramovic berühmt, während es um Ulay ruhig wurde. Jetzt widmet die Frankfurter Schirn dem Künstler, der eigentlich Frank Uwe Laysiepen heißt und aus Solingen stammt, eine große Ausstellung. Unter dem Titel "Ulay Life-Sized" stehen die fotografischen Arbeiten im Zentrum.

Der inzwischen 72-Jährige hat sich seit Ende der 1960er Jahre in seiner Wahlheimat Amsterdam in Polaroid-Fotos mit der eigenen Geschlechtsidentität und seinem Körper auseinandergesetzt - und Porträts von Transsexuellen, Transvestiten oder Obdachlosen angefertigt. Ulay hat Tätowierungen thematisiert, als dieser Körperschmuck nur von Matrosen und "Knackis" bekannt war. Damit gehört er auch zu den Pionieren der "Body Art".

Die Ausstellung will einen Überblick über das heterogene Werk im fast 50 Jahre umfassenden Schaffen Ulays geben - auf einen roten Faden wurde bewusst dabei verzichtet. Der Besucher muss sich also selbst die Rosinen rauspicken.

Dazu gehören zweifellos zwei der Videoarbeiten Ulays mit Abramovic. 1977 bezogen sie in Bologna erstmals das Publikum ein, als sie in einem engen Eingang zu einem Museum sich nackt gegenüberstehen und die Besucher sich - amüsiert oder genervt - durchzwängen müssen.

Dem Paar Ulay und Abramovic ging es um Grenzüberschreitungen. Oder um gezielte Provokation wie in einer auf Video festgehaltenen Aktion Ulays vom Dezember 1976.

Er narrte damals die Berliner Polizei, als er Carl Spitzwegs "Armen Poeten" aus der Neuen Nationalgalerie entwendete. Der Künstler brachte das Biedermeier-Bild in die Wohnung einer türkischen Gastarbeiterfamilie, wo das Gemälde einen Platz an der Wandtapete fand. Anschließend rief er im Museum an - das Bild durfte abgeholt werden.

Auch mit dieser Performance hat der inzwischen im slowenischen Ljubljana lebende Ulay prophetische Kraft bewiesen, meint scherzhaft Philipp Demandt, neuer Chef der Frankfurter Schirn und des Städel-Museums. Denn 1989 wird Spitzwegs "Poet" erneut gestohlen - das Bild ist bis heute verschwunden.

"Ulay Life-Sized", bis 8 .Januar Schirn Frankfurt, Di, Fr-So, 10-19 Uhr, Mi./Do., 10-22 Uhr

(dpa)
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