Premiere: Umjubelte Wiederauferstehung von "Dirty Dancing"
zuletzt aktualisiert: 26.03.2006 - 20:00Hamburg (rpo). Allein der großen Vorfreude wegen hat die die Musical-Umsetzung des Filmklassikers "Dirty Dancing" den Kultstatus schon jetzt sicher. Am Sonntagabend kam es im Hamburger Musicaltheater "Neue Flora" endlich zur umjubelten Premiere.
Es war eine Zeitreise zurück in das Jahr 1987. Es ist eine Zeit, in der die Farbe Pink ihre Blüte erlebt, der Kalte Krieg in seinen Endzügen steckt und Patrick Swayze als smarter Tanzlehrer Johnny Castle in dem Kinostreifen "Dirty Dancing" Millionen Frauenherzen höher schlagen lässt. Fast 20 Jahre später öffnet sich mit "Dirty Dancing - Das Original Live On Stage" der Vorhang für die mitreißende Bühnenversion des Kultfilms. Am Sonntagabend sollte sie in der Hansestadt ihre Europapremiere feiern.
Für die jüngeren unter den mehr als 1900 angekündigten Gästen aus Kultur, Wirtschaft, Sport, Politik und Unterhaltung ist es die Erinnerung an die 80er Jahre. Für die Älteren ist es gar die Wiederauferstehung eines um zwei weitere Jahrzehnte zurückliegenden Lebensgefühls. Denn wie schon in dem Film spielt auch die Bühnenversion im Sommer 1963, dem Jahr, als die Beatles ihr erstes Album "Please Please Me" veröffentlichten.
Frances "Baby" Houseman verbringt den Sommerurlaub mit ihren Eltern und ihrer älteren Schwester Lisa in Kellerman's Ferienclub in den US-amerikanischen Catskill-Bergen. Kaum dort angekommen, entführt Johnny die Tochter aus gutem Haus in eine Welt der heißen lateinamerikanischen Rhythmen, Erotik und puren Lebensfreude. Das mädchenhafte, verkrampfte Mauerblümchen "Baby" reift durch die Liebe zu dem einfachen Hotelangestellten zur strahlenden jungen Frau.
1:1-Umsetzung
Wer den Film "Dirty Dancing" liebt, wird die Bühnenversion lieben, für die nach Angaben des Veranstalters Stage Entertainment bereits über 290 000 Tickets verkauft wurden. Anja Hauptmann, die Enkelin des Literaturnobelpreisträgers Gerhart Hauptmann, bleibt in ihrer Adaption eng an dem Originalbuch von Eleanor Bergstein. Hauptmanns Figuren wirken teilweise allerdings stärker ausgebaut, sind rebellischer, gesellschaftskritischer und kämpfen vehementer gegen Generationskonflikte und Vorurteile.
Doch die weitgehend identischen Dialoge, aufwändig gestalteten Bilder und rund 400 liebevollen Kostüme im 60er-Jahre-Stil erwecken von Beginn an die leidenschaftliche Atmosphäre des Films zu neuem Leben, der allein in Deutschland neun Millionen Kinobesucher begeistert hat.
Unter der Regie von Paul Garrington spielt, tanzt und singt sich das aus über 1500 Bewerbern auserwählte 45-köpfige Ensemble zu Höchstleistungen, allen voran die Österreicherin Ina Trabesinger als Weltverbesserin Baby der Niederländer Martin van Bentem als Showtänzer Johnny und die Australierin Rachel Marshall als seine Tanzpartnerin Penny. Sie stehen ihren Vorbildern Jennifer Grey, Swayze und Cynthia Rhodes in Charme und Ästhetik in nichts nach. Besonders van Bentem und Marshall brillieren bei Mambo und Co. mit ihrer Körperbeherrschung.
"Dirty Dancing - Das Original Live On Stage", das im Herbst 2004 im australischen Sydney uraufgeführt wurde, ist kein Musical. Die für dieses Fach typischen Gesangspassagen fehlen bis auf wenige Ausnahmen. Vielmehr ist das zweieinhalbstündige Bühnenwerk eine beabsichtigte Kopie des Filmsstoffs mit einem 51 Hits umfassenden Soundtrack - inklusive Tanztraining auf einem Baumstamm, inniger Liebesszenen im Bungalow und spektakulärer Hebefigur.
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