Positve "Halbzeitbilanz" des Kirchentags: Vebotenes Abendmahl: Kirche prüft Konsequenzen
zuletzt aktualisiert: 30.05.2003 - 15:30Berlin (rpo). Zur Halbzeit des ersten Ökumenischen Kirchentags in Berlin haben die Veranstalter eine ausgesprochen positive Bilanz gezogen. Am Freitag wird der Besuch des Dalai Lama erwartet.
Außerdem wollten ranghohe Kirchenvertreter die Charta Oecumenica unterzeichnen, in der sie sich unter anderem zur engeren Zusammenarbeit verpflichten.
"Vieles, was sich in diesen Tagen ereignet und die Teilnehmenden mit Bewegung und Begeisterung erfüllt, konnten wir uns in der Vorbereitung bestenfalls wünschen; niemals aber war es minutiös vorauszuplanen", sagte Friederike Woldt, Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentags und zusammen mit ihrem katholischen Kollegen Stefan Vesper vom Zentralkomitee der Katholiken federführend für die Planung. Vesper betonte das politische Gewicht des Kirchentages: Es werde deutlich, "dass Christinnen und Christen sich mit ihren grundlegenden Werten und Überzeugungen nachhaltig in die Politik einbringen wollen".
Ein kirchenpolitischer Höhepunkt ist die Unterzeichnung der Charta Oecumenica durch ranghohe Vertreter 16 christlicher Kirchen am Abend. In zwölf Leitsätzen verpflichten sich die Kirchen selbst, ihren Beitrag zur Einheit Europas zu leisten, zur Wahrung der Menschenrechte, zur Bewahrung der Schöpfung und des Friedens, zur Versöhnung der Völker und zur ökumenischen Kooperation.
Bundestagspräsident Wolfgang Thierse rief bei einer stark besuchten Veranstaltung zum Thema "Neue Perspektiven für die Demokratie" zu mehr demokratischem Engagement für das Gemeinwohl auf. Nur so könne dem ökonomischen Druck, der Schwächung des sozialen Zusammenhalts und der Auflösung der kulturellen Identität widerstanden werden, sagte der SPD-Politiker. Die Krise des Sozialstaates gefährde auch die demokratischen Grundlagen der Gesellschaft.
Angesichts der Entwicklung in Irak warnte Thierse vor missionarischem Eifer: "Freiheit von Diktatur bedeutet noch nicht Freiheit für Demokratie. Die Emanzipation aus Unterdrückung und Unterentwicklung kann keinem Volk von einem anderen abgenommen werden."
Kleiner Wermutstropfen: Zu einer Veranstaltung auf der mehrere tausend Zuschauer fassenden Waldbühne zum Thema "Nach dem Irak-Krieg: Welche Rechtsordnung braucht die Welt?", an der unter anderem der CDU-Politiker Wolfgang Schäuble und der Bremer SPD-Bürgermeister Henning Scherf teilnahmen, kamen nur 1.000 Zuschauer.
Ökumenisches Abendmahl sorgt weiter für Gesprächsstoff
Am Donnerstagabend hatte im Stadtteil Prenzlauer Berg entgegen dem Willen der katholischen Amtskirche ein ökumenisches Abendmahl stattgefunden. Weit mehr als 2.000 Menschen waren in die evangelische Gethsemane-Kirche gekommen, wo der Priester Gottlob Hasenhüttl ein Abendmahl nach katholischem Ritus zelebrierte.
Der 69-Jährige, ein emeritierter Theologie-Professor der Universität Saarbrücken, erklärte, er habe gegen keine Regeln verstoßen. Die Trennung beim Abendmahl beruhe auf der Willkür einzelner Bischöfe. Trotzdem drohen ihm jetzt Konsequenzen, die bis zur Beurlaubung oder gar zum Ausschluss aus der katholischen Kirche reichen können.
Nach dem von der katholischen Kirche verbotenen gemeinsamen Abendmahl prüft die Deutsche Bischofskonferenz die kirchenrechtlichen Folgen für den beteiligten Priester. "Die allgemeine Einladung zu einer undifferenzierten Teilnahme aller zum Eucharistieempfang ist eine Verletzung der kirchlichen Bestimmungen", erläuterte der Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz, Hans Langendörfer am Freitag in Berlin. Die Bischöfe bedauerten und missbilligten diesen Verstoß grundlegend.
Für mögliche disziplinarische Maßnahmen gegen den emeritierten Theologieprofessor Gotthold Hasenhüttl aus Saarbrücken seien entweder der Berliner Kardinal Georg Sterzinsky oder der Trierer Bischof Reinhard Marx, in dessen Bistum Hasenhüttl wohnt, zuständig. Über die Art möglicher Maßnahmen gab es zunächst keine Angaben. "Es wird sicher keine Exkommunikation", sagte eine Sprecherin der Bischofskonferenz. Hasenhüttl hatte am Vorabend in einem von Reformgruppen am Rande des Katholikentages gestalteten katholischen Gottesdienst Christen beider Konfessionen zur Kommunion eingeladen
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