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Berliner Admiralspalast mit der "Dreigroschenoper" eröffnet: Viel Applaus für Campino, Buhrufe für Brandauer

zuletzt aktualisiert: 13.08.2006 - 12:52

Berlin (rpo). Viel Applaus für Campino, Buhrufe für Klaus Maria Brandauer: Berlin hat die mit Spannung erwartete Aufführung der "Dreigroschenoper" von Bertolt Brecht im frisch renovierten Admiralspalast erlebt. Und ganz tief in der Nacht stahl einer allen die Show, der gar nicht zu den Mitwirkenden gehörte: Johannes Heesters.

Um 1.30 Uhr trat der 102-Jährige am Samstag gestützt von seiner Frau Simone Rethel auf die Bühne des Berliner Admiralspalastes, lehnte sich locker an den Flügel und gab Lieder aus den 30er und 40er Jahren zum Besten. "Ihr freue mich, heute Abend bei Euch zu sein, und ich hoffe, es ist nicht das letzte Mal", sagte er.

Heesters war bereits 1940 als Danilo in der Operette "Die lustige Witwe" im Admiralspalast aufgetreten. 66 Jahre später kehrte er zur Eröffnung des für viele Millionen Euro sanierten Theaters zurück, und präsentierter mit fester Stimme Lieder wie "Ich knüpfte manche zarte Bande". Nach einer halben Stunde verabschiedete sich Heesters nur widerwillig auf Raten seines Arztes, der hinter der Bühne auf ihn wartete. "Ich möchte gerne noch weiter bleiben, aber Sie müssen schlafen gehen", rief er seinem Publikum noch zu.

Wenige Stunden zuvor war die eigentliche Eröffnungsveranstaltung über die Bühne gegangen: die mit Spannung erwartete "Dreigroschenoper" in der Inszenierung von Klaus Maria Brandauer und mit Campino als Mackie Messer. Brandauer war vor der Premiere allen Fragen nach seiner Herangehensweise an den Stoff ausgewichen. Die Frage, wie er sich von anderen Inszenierungen der "Dreigroschenoper" abheben wolle, hatte er als "fast schon unsittlich" bezeichnet. "Der Unterschied wird sein, dass wir es spielen", sagte er.

"Hier war gar nichts"

Die Arbeit Brandauers quittierten etliche der 1.700 Zuschauer im Saal mit Buhrufen für den Regisseur. Vielen erschien die Inszenierung zu konventionell und einfallslos. Den Bogen vom London der 20er Jahre ins Berlin des beginnenden 21. Jahrhunderts versuchte Brandauer erst gar nicht zu schlagen.

Von einigen Theater-Kollegen des Österreichers kam nach der Premiere harsche Kritik: "Wenn man ein neues Haus aufmacht, so ein Haus wie hier, dann muss man eine Idee haben, wie man Brecht inszeniert", sagte beispielsweise Schauspieler Peter Lohmeyer. "Hier war gar nichts."

Viel Applaus gab es dagegen für das komplette Ensemble - allen voran für den Star des Abends: Campino. Der Sänger der Toten Hosen präsentierte den Mackie Messer, wie Brecht sich ihn vorgestellt hatte - als bürgerlichen Banditen mit Seitenscheitel statt Sturmfrisur, Dreiteiler statt Lederjacke und weißen Handschuhen. In seinen Gesangseinlagen verbog sich Campino stilmäßig nicht. Einige der Lieder könnten in seiner Interpretation auch auf einem Toten-Hosen-Album erscheinen.

Campinos Bandkollege Andi zeigte sich zufrieden mit dem Auftritt. "Ich fand das ordentlich, was er da abgeliefert hat", sagte er. "Der hat seinen ganzen Text behalten und sich, soweit ich das mitgekriegt habe, nicht einmal versprochen oder versungen. Das ist schon eine Leistung." Auch von Theater-Profis erhielt Campino viel Lob. "Seine schauspielerische Leistung fand ich klasse", sagte etwa Lohmeyer.

Dauerhaft will Campino trotz des Erfolgs nicht in die Schauspielerei wechseln. "Ich bin doch glücklich, als Tote Hose durchs Leben zu gehen und nicht als Schauspieler", sagte er.

Ingolf Lück kam mit Bauhelm und Gummistiefeln

Dass die Premiere überhaupt stattfinden konnte, war einem Kraftakt Dutzender Bauarbeiter zu verdanken, die bis zuletzt an dem Theatergebäude gewerkelt hatten. Tagelang mussten die Betreiber um die pünktliche Freigabe des 95 Jahre alten Hauses durch die Bauaufsicht bangen. Erst am Donnerstag wurde grünes Licht gegeben.

Einige Premierengäste hatten offenbar damit gerechnet, dass sie im Foyer noch Schutthaufen und Baumaschinen vorfinden würden. Schauspieler Ingolf Lück trug zu seinem Smoking sicherheitshalber einen Bauhelm und knallgelbe Gummistiefel. So schlimm war es dann doch nicht. Der Hof des Theaters war frisch gepflastert und die Baugerüste abgebaut. Nur der Zugang zum Theatersaal stellte sich zumindest für die Premiere als ein wenig zu eng heraus. Wegen des Zuschauerstaus begann die Aufführung mit 20 Minuten Verspätung.

Quelle: ap

 
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