Ulrike Folkerts: Vom "Tatort" auf die Festspielbühne
zuletzt aktualisiert: 21.07.2005 - 10:16Salzburg (rpo). Dem Tod begegnet Ulrike Folkerts in ihrer Rolle als "Tatort"-Ermittlerin Lena Odenthal oft in Gestalt von Mordopfern. Nun wechselt sie den Blickwinkel und schlüpft in die Haut des Todes im "Jedermann", Hugo von Hofmannsthals Mysterienspiel. Am Montag hat das traditionsreiche Stück Premiere bei den Salzburger Festspielen.
Eine relativ kleine Rolle zwar, aber mit Tiefgang. "Tod ist in unserer Gesellschaft immer noch ein Tabuthema", sagt Folkerts. "In diesem Stück nimmt der Tod Gestalt an, wird greifbar. Der Zuschauer erlebt Jedermann bei seiner Begegnung mit dem Tod, im Gespräch mit dem Tod. Der Tod ist unausweichlich und Zeugnis für das Leben." Premiere der vom Salzburger Theaterdirektor Martin Kusej geleiteten Wiederaufnahme einer Inszenierung von Christian Stückl ist am Montag auf dem Salzburger Domplatz.
Für die 44-jährige Folkerts, die bisher in 37 Folgen die "Tatort"-Kommissarin spielte, bedeutet das Salzburger Engagement eine Rückkehr auf die Bühnenbretter. Als Kusej ihr die Rolle des Sensenmannes antrug, war Folkerts sofort Feuer und Flamme. "Ich fand diese Idee super", sagt sie. In der langen Geschichte des Salzburger "Jedermann" ist sie die erste Frau, die diese Rolle spielt - und das in der illustren Gesellschaft von Burgtheater-Heroen wie Peter Simonischek als "Jedermann" und Tobias Moretti als "Teufel" und "guter Gesell".
Nach dem Abitur in ihrer Heimatstadt Kassel hatte die Tochter eines Schaufensterdekorateurs und einer Angestellten zunächst an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover studiert und erhielt gleich nach dem Abschluss 1986 ein erstes Engagement am Staatstheater in Oldenburg. Dort spielte sie neben Rollen in Ibsens "Gespenstern" oder Harald Müllers "Das Todenfloß" vor allem "Weihnachtsmärchen, Weihnachtsmärchen, Weihnachtsmärchen".
In Oldenburg erfuhr die Künstlerin von einem Casting für eine neue SWF-"Tatort"-Kommissarin. Das unverbrauchte Gesicht gefiel auf Anhieb. Seit 1989 mimt sie an der Seite ihres Assistenten Mario Kopper die legere, aber durchsetzungsfähige Hauptkommissarin Lena Odenthal in Jeans und Lederjoppe.
Theater wiederentdeckt
Parallel zu ihren "Tatort"-Drehs trat Folkerts zwar weiterhin gelegentlich auf der Bühne auf, mal als Jeanne d'Arc, mal auf einer Komödientournee. Doch war sie fortan vor allem auf die Rolle der herben Polizistin festgelegt, die ihr spärliches Privatleben mit einer Katze verbringt, doch ohne feste Männerbegleitung.
Kritiker bescheinigen Folkerts, frischen Wind in den "Tatort" gebracht zu haben. Gute Noten erhielt sie 1995 auch für ihre Rolle der Charlotte in Rainer Matsutanis Filmdebüt "Nur über meine Leiche".
Bei den Salzburger Festspielen, die Folkerts bis dahin weder als Zuschauerin noch als Mitwirkende kennen gelernt hatte, entdeckt die 44-Jährige nun das Theater wieder. "Es ist schon eine Weile her, dass ich Theater gespielt habe. Umso mehr freut mich, dass ich nun in Salzburg mit ganz wundervollen Kollegen die Leidenschaft am Theaterspielen wieder entdecke." Parallelen zwischen ihrer "Jedermann"-Rolle und ihren "Tatort"-Aktivitäten in Ludwigshafen sieht sie nicht. "Ich bin im jeweiligen Fall als Schauspielerin engagiert", sagt sie lakonisch.
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