| 07.20 Uhr

Düsseldorf
Vom Zauber der Freundschaft

Düsseldorf. Das Junge Schauspielhaus in Düsseldorf macht aus dem "Zauberer von Oz" ein Antisuperheldenstück. Von Dorothee Krings

Ein Kerl aus Blech, der rostig umherstakst und in dessen Brust kein Herz wummert. Eine raschelnde Vogelscheuche, die auch im Hirn nur Stroh hat und der beim Sprechen die Silben durcheinandergeraten. Und ein Löwe, der vor dem eignen Brüllen erschrickt - wer will mit einer solchen Verlierertruppe auf Abenteuerreise gehen? Noch dazu, um eine Hexe zu töten? Das Mädchen Dorothy in den roten Glitzerschuhen wagt es. Es erlebt ja daheim, wie Onkel und Tante sich als Einzelkämpfer durchschlagen, für den Job leben, nie Zeit haben - und am Ende doch entlassen werden. Dann lieber mit krummen Gestalten losziehen, die zwar ihre Macken haben - aber füreinander einstehen.

In Zeiten, da das Kino eine Superheldengeschichte nach der anderen hervorstößt, in der herausragende Einzelne mit überirdischen Fähigkeiten ihr Schicksal bezwingen und mal kurz die Welt retten, erzählt das Junge Schauspielhaus in Düsseldorf im Vorweihnachtsstück "Der Zauberer von Oz" eine alternative Story: eine über Freundschaft, Rücksichtnahme, Vertrauen, über Mut, der aus Rückhalt entsteht, Intelligenz, die sich aus dem Wissen aller speist, Liebe, die mit Mitgefühl beginnt.

Da das Düsseldorfer Schauspielhaus derzeit ohne sein Haupthaus am Gründgensplatz auskommen muss, wird im Capitol hinter dem Hauptbahnhof gespielt. Zwar entfacht Regisseur Robert Neumann dort nicht den ganz großen Bühnenzauber, obwohl er mit geschmackvollen Projektionen arbeitet, die Bühne durch eine bewegliche Stegkonstruktion allerlei Abwechslung bietet, die Schauspieler auch musikalisches Gespür beweisen und die Kostüme das Ensemble zugleich märchenhaft und ein bisschen verrückt kleiden. Es fehlen die großen Überraschungseffekte, die mächtigen Ohh- und Ahh-Bilder zum Staunen. Auch ist die Inszenierung nicht auf Slapstick oder Rührung angelegt. Und so sind im Publikum selten Lacher zu hören oder lautstarkes Szenenbefeuern wie sonst oft in Kinderstücken.

Dafür ist es still und konzentriert im Saal. Denn diese Version der Reise zum Zauberer von Oz bietet viele behutsame Momente, in denen Glitzerstaub funkelt, bibbernde Löwen ihre Stärke entdecken, eine zirzensische Smaragdstadt grün zu funkeln beginnt. Die Inszenierung lädt zum Beobachten, Ruhigwerden ein, sie lärmt nicht, sondern erzählt eine schlichte Folge von Episoden über vier Sonderlinge, die gemeinsam Abenteuer bestehen, einander näherkommen, begreifen, dass ihre Schwächen nur Andersartigkeiten sind, solange sie einander helfen.

Und so bringt dies Stück auch nicht den einen Publikumsliebling hervor, sondern ist eine starke Ensembleleistung, in der Maelle Giovanetti als schlaue Dorothy, Alessa Kordeck als zerknirschte Vogelscheuche, Bernhard Schmidt-Hackenberg als wunderbar melancholischer Blechmann und Paul Jumin Hoffmann als zögerlicher Löwe ein starkes Quartett bilden. Sie spielen vor, worauf es bei Freunden ankommt: nicht zu werten, sondern wertzuschätzen. Und dann auf ins Abenteuer! Bis sogar das Böse dahinschmilzt.

Info Karten unter Tel. 0211 8523710 sowie unter karten-junges@duesseldorfer-schauspielhaus.de

Quelle: RP
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