Klaus Biesenbach erster deutscher Kurator: Von der Margarinefabrik ins MoMa
zuletzt aktualisiert: 22.11.2004 - 11:45New York/Berlin (rpo). Klaus Biesenbach gehört seit dem 1. November zu den Auserwählten, die im MoMa Ausstellungen durchführen können. Das New Yorker Kunsthaus, das am Samstag nach knapp dreijähriger Umbauphase wieder eröffnet wurde, berief ihn als ersten Deutschen zum Kurator. Und darauf ist der 38-Jährige mächtig stolz. "Das Museum of Modern Art ist das wichtigste Museum für aktuelle Kunst weltweit. Wenn man dort eine Ausstellung macht, erreicht man Millionen von Menschen."
Damit ging für Biesenbach ein Wunsch in Erfüllung, den der ehemalige Medizinstudent vor 14 Jahren nicht zu träumen gewagt hätte. Damals, im Jahr 1990, ging er nach New York, um sein Medizinstudium fortzusetzen und sich zu orientieren. Die Wende erlebte er vor dem Fernseher in den USA. Kurz darauf war er dann in Berlin-Mitte und mietete mit einer Gruppe Gleichgesinnter eine verrottete Margarinefabrik, die sie zu einem Zentrum für zeitgenössische Kunst ausbauten, den heute international angesehenen Kunst-Werken. "Die Kunst-Werke waren eine Eigenerfindung, mit der man kein Geld verdienen konnte", sagt Biesenbach. Deswegen setzte er quasi nebenbei sein Studium fort, das er dann 1994 mit dem ersten Staatsexamen beendete.
Biesenbach ist ein Macher. Innerhalb kürzester Zeit baute er Netzwerke zu Künstlern und Entscheidungsträgern in der Politik auf. Bereits 1994 bekamen die Kunst-Werke institutionelle Förderung vom Senat, die Ausstellungen waren hoch gelobt. Legendär ist die Schau "37 Räume" von 1992. Über 100 Künstler aus 20 Ländern präsentierten eine Woche lang in 37 Räumen - von einem altem Gemüseladen über eine Schulklasse bis zu einer Kirche - ihre Werke. "Damit hatten wir einen Jumpstart in die internationale Kunstszene", sagt der umtriebige Kunstorganisator.
Große Verantwortung in jungen Jahren
Biesenbachs Aufstieg setzte sich konsequent fort. 1996 gründete der Quereinsteiger die Berlin Biennale, die zwei Jahre später mit 70 Künstlern erstmals stattfand. Heute lese sich die Künstlerliste von damals wie ein Who is Who der aktuellen Kunst, sagt Biesenbach. Im selben Jahr wurde er im Kunstzentrum P.S. 1 in Queens als Kurator tätig - einer MoMA-Zweigstelle für aktuelle Kunst, die dann Kooperationspartner der Kunst-Werke wurde. Darüber hinaus organisierte er Ausstellungen in aller Welt. 1997 erhielt er eine große Ehrung: Er wurde als bis dato jüngster Juror in die internationale Jury der Biennale in Venedig berufen, um die Goldenen Löwen zu vergeben.
"Ich kam am Flughafen an, und dann hat die Person, die mich betreute, gedacht, ich sei mein eigener Assistent. Da sitzen sonst in der Jury gestandene, erkennbare Persönlichkeiten", erzählt Biesenbach. Die einzelnen Karriereschritte zeigten, dass seine Berufung nach New York ein großer Schritt für ihn sei, der aber in der Folge von sehr vielen kleineren Schritten stehe.
Den Kunst-Werke will Biesenbach weiter als Berater verbunden bleiben. "Die Kunst-Werke sind auch so etwas wie ein Kind für mich, was man rangezogen hat", sagt er. Im MoMA wird er für die Abteilung Film und Medien verantwortlich sein. Er liebt die Kunst: "Das schönste Gefühl entsteht immer dann, wenn ich mit einem Künstler etwas zusammen erarbeite und das fertig wird."
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