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Stilfrage
Vorsätze nicht zu groß fassen

Mehr Sport, weniger Sofa. Mehr stilles Wasser, weniger Alkohol. Mehr Ehrgeiz im Job und weniger Wurschtigkeit. Alles Vorsätze, die im Laufe des Silvesterabends für das neue Jahr ausgerufen wurden. Ein Gast aber verweigerte sich. Alles Quatsch, sagte er, und dass er weitermache wie bisher. Der große Rest beschimpfte ihn als ambitionslos und fragte ihn, ob er sich und sein Leben denn nicht verbessern wolle, Silvester sei doch die Gelegenheit, Pläne zu schmieden.

Ein bisschen haben die Schimpfer ja recht - blindlings immer weiter zu rennen, ohne sich zu fragen, ob das das richtige Tempo, die richtige Route und das richtige Ziel ist, ist nicht gut. Wer das macht, läuft Gefahr, dass das eigene Leben ihm nicht passt. Wie ein zu kleines Paar Schuhe. Innezuhalten ist wichtig; nach den eigenen Wünschen zu forschen und die dann mit dem Ist-Zustand abzugleichen, ist wichtig. Die Frage ist, ob riesenhafte Vorsätze wie "Mehr Leben" oder "Nie wieder Alkohol" oder "20 Kilo abnehmen" wirklich helfen. Ob sie nicht zu groß, zu sperrig sind. Die Frage ist auch, ob diese Ziele überhaupt die richtigen sind. Ist der Punkt, 20 Kilo abzunehmen? Oder geht es eher darum, sich bewusster und gesünder zu ernähren? Müsste man sich beim Vorsatz "Nie wieder Alkohol" nicht eher fragen, wann genau man ihn trinkt und welche Funktion er dann erfüllt und dann überlegen, was zu tun ist?

Wir müssen weg von den großen, den dogmatischen Vorsätzen und uns dazu erziehen, besser und bewusster mit uns umzugehen: mit unseren Wünschen und Zielen, mit unserem Wohlbefinden oder Stressfaktoren. Wer das neue Jahr nutzt, um mit diesem Umdenken anzufangen, kann das sehr gern tun. Wer sich dafür den 14. Juli oder die Nacht zum 3. September aussucht: genauso gut. Jeder Tag ist okay. Wichtig ist nur, sich überhaupt klar zu machen, was einem gut tut, was man sich wünscht vom Leben - und sich davon dann möglichst viel zu holen. Mariana Lekys Buch "Was man von hier aus sehen kann" ist untertitelt mit "Von der unbedingten Anwesenheitspflicht im eigenen Leben" - genau darum sollte es gehen.

Quelle: RP
 
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