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Frankfurt
Warum David Hockney sein iPad liebt

Frankfurt. Der 79-jährige britische Künstler spielte professionell den Stargast beim Buchmessen-Auftakt. Von Lothar Schröder

Kann schon sein, dass David Hockney der größte, aufregendste und - trotz seiner 79 Jahre - auch modernste Künstler unserer Zeit ist. Das zu glauben fällt erst einmal schwer beim kurzen Buchmessen-Auftritt des Briten, der mit gewohnt blütenweißem Käppi (Hockney muss Dutzende davon haben) und in feiner Landhaus-Gewandung eher das Gediegene als das Revolutionäre zu präsentieren scheint. Doch dann legt Hockney los mit seiner neuen alten iPad-Kunst, also mit Zeichnungen, die auf dem Bildschirm gemalt, verwischt, übermalt und bekritzelt werden, bis das Bild fertig ist und gedruckt werden kann.

Ruckzuck geht das. In einer Stunde sei so ein "Gemälde" fertig, in einem Zwei-Minuten-Trailer dürfen wir die Genese solcher Werke mitverfolgen. Ein Kaktus entsteht vor unseren Augen, ein Aschenbecher, der Eiffelturm mal bei Tag und mal bei Nacht. Irgendwie sieht das einfach aus; wie eine Volkshochschule der Weltkunst. Hockney liebt sein iPad, spricht völlig unsentimental davon, wie schön es doch sei, keinen Pinsel, keine Farben und keine Leinwand mehr bedienen zu müssen, sondern nur die gläserne Oberfläche seines Tablets oder seines iPhones.

"Wer hätte gedacht, dass das Telefon das Zeichnen wieder populär macht?", fragt Hockney in die Runde, aus der natürlich keine Antwort kommt und auch keine erwartet wird. Dafür ist der Künstler zu zufrieden mit sich, seinem Werk, seinem iPad. Nur einen einzigen Nachteil des Tablets weiß er zu nennen: "Es gibt keinen Widerstand beim Malen." Im vergangenen Jahr diente Salman Rushdie als Eröffnungs-Zugpferd; jetzt also Hockney, der nebenbei seine Bilder in einem neuen Buch präsentiert, das so groß ist, dass man es einfachheitshalber "A Bigger Book" genannt und für 2000 Euro jetzt auf den Markt gebracht hat.

Hockney ist ein recht froher Wanderer zwischen alter und neuer Welt. Sein 20-minütiger Auftritt jedenfalls durfte auch als Anschauungsunterricht für verzagte Kulturpessimisten gesehen werden.

Quelle: RP
 
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