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Wellington
Warum Neuseeland einen Fluss zum Bürger erklärt

Wellington. Können ein Stück Land oder ein Fluss vor dem Gesetz wie ein Mensch behandelt werden? In Neuseeland ist genau das möglich: Nachdem 2014 bereits ein Nationalpark den gleichen Status wie ein neuseeländischer Bürger erhalten hat, soll jetzt erstmals auch ein Fluss legal wie ein Mensch behandelt werden. Von Barbara Barkhausen

Hintergrund dieser Entscheidung ist die Kultur der neuseeländischen Ureinwohner, der Maori. Diese haben sich lange gegen den Niedergang ihrer Kultur gewehrt, die durch die britische Besiedlung und die Christianisierung gefährdet war. Heute haben sie nicht nur Maori als zweite Amtssprache durchgesetzt, sondern auch ihre Spiritualität in der Gesellschaft verankert.

Nach dem Glauben der Ureinwohner sind Menschen auf einer Stufe mit der Natur - seien es Wälder, Flüsse, Berge, Seen oder das Meer. Die Erde - Papatûânuku - ist die große Mutter, die all dies ebenso wie Menschen und Tiere geboren hat. Diese Weltanschauung bildet die Grundlage für die Entscheidung der neuseeländischen Regierung, einen Nationalpark oder einen Fluss mit Bürgerrechten auszustatten

Die erste Entscheidung in diese Richtung fiel im sogenannten "Te Urewera Act" 2014, als die Regierung das Besitzrecht am 2000 Quadratkilometer großen Nationalpark Te Urewera auf der Nordinsel Neuseelands aufgab und den Park zur legalen Entität mit "all den Rechten, Fähigkeiten, Pflichten und Verpflichtungen einer legalen Person" erklärte. Damit werden Entscheidungen bezüglich des Landes ähnlich wie bei einer Firma nun von einem Vorstand getroffen. Sollte die Integrität des Landes gefährdet sein, kann es vor Gericht vertreten werden. Trotzdem dürfen menschliche Besucher das Land nach wie vor besuchen. Legal gesehen sei die Entscheidung ohne Zweifel "revolutionär" für Neuseeland schrieb die Rechtsprofessorin Jacinta Ruru im Fachmagazin Maori Law Review. Das Gesetz mache sie stolz, Neuseeländerin zu sein.

Quelle: RP
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