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"Urduden" von 1880
27.000 Stichwörter für eine Mark

Welchen Eintrag findet man im "Urduden" von 1880 nicht?
Schnell mal nachschlagen: Den Duden gibt es inzwischen in der 25. Auflage (Archivbild) FOTO: dpa, ad_cu_kd
Düsseldorf. 187 Seiten, 27.000 Stichwörter – so ging vor 136 Jahren das "Vollständige Orthographische Wörterbuch der deutschen Sprache" in Druck. Autor damals: Ein gewisser Doktor Konrad Duden. 

Als "Urduden" wird dessen Wörterbuch aus dem Jahr 1880 heute bezeichnet – der Stammvater der Wörterbuchreihe, dessen Flaggschiff zur Rechtschreibung mittlerweile 25 Auflagen erfahren hat. Nach Verlagsangaben erfuhr der Urduden vor 136 Jahren "rasch eine ungeheure Verbreitung" – einerseits, weil das Buch für nur eine Mark erhältlich war, andererseits, weil es sich "an der Praxis der Schreibenden orientierte". 

27.000 Stichwörter umfasste das "Vollständige Orthographische Wörterbuch der deutschen Sprache" in der Ausgabe von 1880, von A wie "Aal" bis Z wie "zwote". Besonders spannend aus heutiger Sicht: Die Frage, welche inzwischen alltäglichen Begriffe im "Urduden" noch nicht enthalten waren. 

Dieser Begriff fehlte im "Urduden" noch

Dass neumodisches Zeug wie "Internet" oder "googeln" darin fehlen, ist logisch. Aber wie ist es mit technischen Errungenschaften des Industriezeitalters, "Batterie" zum Beispiel, oder "Glühlampe"? 

Tatsächlich haben es die "Batterie", das "Mikrophon" und das "Dynamit" in das Ur-Wörterbuch geschafft. Ausgerechnet die "Glühlampe" fehlt allerdings - vermutlich, weil die Erfindung sich bis 1880 noch nicht in der Masse durchgesetzt hatte. So hatte der deutschstämmige Uhrmacher Heinrich Goebel zwar schon 1854 eine funktionierende Glühlampe konstruiert, die mit einer Bambusfaser leuchtete. Er versäumte es allerdings, seine Erfindung patentieren zu lassen.

So blieb es dem Technik- und Marketinggenie Thomas Alva Edison vorbehalten, mit der von ihm entwickelten Kohlenfadenlampe in die industrielle Massenfertigung zu gehen. 2000 Materialen soll er zuvor ausprobiert haben, bis er den geeigneten Stoff für seinen Glühfaden gefunden hatte. Die Lebensdauer seiner Birne lag bei 40 Stunden, bald war die Erfindung bereit für den Massenmarkt. 

Nur für den "Urduden" reichte es nicht mehr: Erdacht hatte Edison seine Glühlampe im Jahr 1879 – einen Tick zu spät, um in Konrad Dudens Wörterbuch aufgenommen zu werden, denn dieses erschien ja bereits ein Jahr später.

Dem großen Erfolg des "Urduden" tat dies jedoch keinen Abbruch. 220.000 Exemplare des "Vollständigen Orthographischen Wörterbuchs der deutschen Sprache" wurden innehalb von nur sieben Jahren verkauft. Und das in einem Land, das noch keine völlig verbindlichen Rechtschreibregeln kannte. Früh habe Konrad Duden beklagt, heißt es in der "Süddeutschen Zeitung", dass es kaum einmal Einigung über die korrekte Schreibweise eines Wortes gebe  – nicht einmal bei "zwei Korrektoren derselben Offizin". Auch eine Autorität, die man in Rechtschreibfragen hätte konsultieren können, gab es nicht. 

Konrad Duden – vom Bonner Studenten zum Sprachpapst

Der 1829 in Gut Bossigt bei Wesel geborene Duden hatte zunächst in Bonn studiert – Philosophie, klassische Philologie, Geschichte sowie deutsche Sprache und Literatur. Nach seinem Lehramtsexamen arbeitete er unter anderem als Hauslehrer in Frankfurt am Main und Genua, bevor er 1869 eine Stelle als Gymnasialdirektor im thüringischen Schleiz antrat. Täglich mit dem Dilemma der unterschiedlichen Schreibweisen konfrontiert, verfasste er 1872 die stark beachtete Schrift "Die deutsche Rechtschreibung", die auch ein Wörterverzeichnis mit Regeln enthielt.

Tipp: Eine Galerie kurioser Begriffe, die tatsächlich im aktuellen Duden enthalten sind, haben wir hier zusammengestellt. 

Wegen seiner Bemühungen nahm er 1876 als Experte an der ersten orthographischen Konferenz in Berlin teil. Dabei setzte er sich für Regelungen ein, die auf dem Motto "Schreibe, wie du sprichst" basieren sollten. Doch das Treffen scheiterte, die einzelnen Länder des 1871 gegründeten Deutschen Reiches gingen eigene Wege. Duden, der mittlerweile ein Gymasium in Hersfeld leitete, stützte sich dann in seinem Ur-Wörterbuch vor allem auf die preußischen Regeln, berücksichtigte aber auch die bayerischen. Das "Orthographische Wörterbuch" setzte sich durch – und Duden gilt heute als "Vater der deutschen Rechtschreibung".

Erst nach der zweiten orthographischen Konferenz 1901 gelang es den Kultusministern, sich auf eine einheitliche Rechtschreibung zu einigen. Die Ergebnisse sollten in Dudens Werk eingearbeitet werden, dem dabei einige Mitarbeiter des Verlags Bibliographisches Institut zur Seite standen. Diese Hilfe für die damals bereits siebte Auflage gilt heute als die Geburtsstunde der Dudenredaktion, die nach dem Tod Konrad Dudens im Jahr 1911 sein Wörterbuch weiterentwickelte.

Heute sind es 125.000 Stichwörter 

Aktuell ist die 25. Auflage des Rechtschreibklassikers im Handel erhältlich. Nicht nur die Sprache und die Fachbegriffe haben sich seit 1880 verändert – auch der Umfang des Wörterbuchs hat sich vervielfacht. 135.000 Stichwörter umfasst der aktuelle Duden, fünfmal so viele wie der Urduden; außerdem 500.000 Beispiele, Bedeutungserklärungen und Infos zu Aussprache, Silbentrennung, Grammatik und dergleichen. 

Auf solcherlei Beiwerk wurde im "Urduden" noch weitgehend verzichtet. Enthalten waren meist nur die nackten Begriffe und ihre korrekte Schreibweise – "bewahrheiten", "bewährt", "bewalden", Substantive bekamen den passenden Artikel sowie die Pluralform angehängt. Und selbstverständlich druckte man 1880 noch in Fraktur. 

Tipp: Einen kompletten Scan der Ausgabe aus dem Jahr 1888 – noch immer ohne "Glühlampe" – finden Sie hier als pdf-Datei.

Seit 2011 gibt es das längst zum Standard für die deutsche Sprache gewordene Wörterbuch auch online. Unter www.duden.de kann man die Schreibweise sämtlicher 135.000 Begriffe nachlesen und auch neue Wörter für den Duden vorschlagen.

"Glühlampe" ist freilich längst enthalten. "Lichtquelle, bei der in einem luftleeren oder mit Gas gefüllten Hohlkörper aus Glas ein elektrisch leitender Faden oder Stift durch den hindurchfließenden Strom zum Glühen gebracht wird", weiß der Online-Duden.

(mit Material von AFP)
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