"documenta" in Kassel: Weltkunstschau feiert 50. Geburtstag
zuletzt aktualisiert: 26.08.2005 - 14:50Kassel (rpo). Joseph Beuys und Christo, Dieter Roth und Robert Capa, Paula Modersohn-Becker und John Cage – das sind Namen, da klingen Kunstliebhabern die Ohren. Eines haben diese Künstler gemeinsam: Sie alle waren bereits auf der "documenta" in Kassel vertreten. Nun wird die Weltkunstschau 50, Grund genug für eine Sonderausstellung in Kassel. Dort werden ab dem 1. September unter dem Titel "Diskrete Energien" die Arbeiten der prominenten Künstler noch einmal zu bewundern sein.
Für gut zweieinhalb Monate kehren Kunstwerke aller elf bisherigen documenta-Ausstellungen vorübergehend nach Kassel zurück. Zusammen mit einem historischen Rückblick auf fünf Jahrzehnte documenta werden die Arbeiten bis zum 20. November in der Kunsthalle Fridericianum gezeigt. Leicht hatte es der Kurator bei der Auswahl der Künstler bestimmt nicht. Von den mehr als 2000 Künstlern und Künstlergruppen, denen die documenta in fünf Jahrzehnten ein Forum bot, galt es, 80 auszusuchen. Hinzu kommen die neun noch vorhandenen documenta-Kunstwerke im Kasseler Stadtbild.
"50 Jahre documenta sind 50 Jahre Kunst- und Zeitgeschichte, die nicht linear zu fassen sind", sagt Kurator Michael Glasmeier. Er will mit der Retrospektive deshalb nicht einfach nur den etablierten Kanon der modernen Kunst noch einmal rekapitulieren. "Wir zeigen merkwürdige, heitere, spielerische oder auch intellektuelle Werke, die gegenläufig zur Kunstgeschichtsschreibung stehen und vergessen wurden, weil sie sich dem Museum entziehen oder zu anarchisch sind", erklärt er.
Im historisch-archivarischen Teil der Ausstellung soll unter der Überschrift "Archive in Motion" die Geschichte der von Arnold Bode 1955 begründeten Weltkunstschau mit Fotos, Filmen, Programmen und Statements aus den Beständen des Kasseler documenta-Archivs aufgearbeitet werden. Jede der elf documenta-Ausstellungen wird dabei in einer eigenen Kammer präsentiert, um einen unmittelbaren Zugang zu den Archivalien zu ermöglichen. "So wird die Intention und Stimmung jeder einzelnen documenta im Dokument greifbar", erläutert Glasmeier.
Außerdem wurden zeitgenössische Künstler beauftragt, sich mit jeweils einer documenta künstlerisch auseinander zu setzen und so den wissenschaftlichen Zugang um einen kreativen zu ergänzen. Das darf durchaus auch kritisch-ironisch sein: So hat etwa Sabine Groß poppig bunte Werbeaufsteller für bekannte Kunstwerke der documenta 5 geschaffen - versehen mit Auszügen aus dem Ranking des "Capital-Kunstkompass" von 1970 und 1983. Denn ausgerechnet jene umstrittene Schau des Jahres 1972, die ausdrücklich in Opposition zum Markt entstand, hat den Marktwert der beteiligten Künstler nach oben schnellen lassen.
Umfangreiches Rahmenprogramm zum Jubiläum
Zu den von Kurator Glasmeier angekündigten "fünf Kapiteln" der Geburtstagsausstellung gehören darüber hinaus eine wissenschaftliche Tagung vom 27. bis 30. Oktober in der Evangelischen Akademie in Hofgeismar sowie die Rekonstruktion des Filmprogramms, das Arnold Bode für die erste documenta zusammengestellt hatte. Sämtliche damals gezeigte Streifen wie "Panzerkreuzer Potemkin" von Sergej Eisenstein oder "M - Eine Stadt sucht einen Mörder" von Fritz Lang werden auch jetzt in Kassel zu sehen sein.
Die Schau zum documenta-Jubiläum wird begleitet von einem umfangreichen Rahmenprogramm. Unter anderem wiederholt das Orchester des Kasseler Staatstheaters das Sinfoniekonzert mit Werken von Paul Hindemith, Arnold Schönberg, Béla Bartók und Igor Strawinsky, das vor 50 Jahren in einer "Woche des modernen Theaters" zur documenta erstmals aufgeführt worden war.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum






