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Düsseldorf
Wenn Pur ganz harte Töne anschlagen

Düsseldorf. Die Band mahnte beim Auftritt in Düsseldorf zu mehr Respekt und Toleranz. Von Max Florian Kühlem

Mit ihrem neuen Album "Achtung" schlägt die Band Pur, die seit den 90er Jahren eine beständige Größe in der deutschen Musiklandschaft ist, auch weniger verspielte, sogar verhältnismäßig harte Töne an. Und auch beim Konzert in Düsseldorf zeigt die Band klare Kante: In einer kurzen, aber heftigen Ansprache fordert Frontmann Hartmut Engler, einzustehen für Werte wie gegenseitige Achtung, Respekt, Toleranz, damit sich das braune Gedankengut nicht wieder breit machen kann und die Menschen sich vom Terror und der Unüberschaubarkeit der Flüchtlingssituation nicht einschüchtern lassen.

Die Stimmung beim ausverkauften Konzert in der Mitsubishi Electric Halle ist ohnehin alles andere als bedrückend. Vor allem, weil das Thermometer das erste mal in diesem Jahr frühlingshafte 18 Grad zeigt. Die Pur-Fans in der Halle sind gut drauf, sogar noch ein kleines bisschen mehr als sonst. Sie lächeln von innen und jubeln euphorisch, als Engler das Lied "Freunde" anmoderiert.

"Ich war eine gefühlte Ewigkeit nicht mehr in Düsseldorf", bekennt er und legt ein klein wenig Wehmut in die Stimme. "Aber ich erinnere mich noch genau, wie wir das letzte Mal hier spielten und wegen einer gesperrten Autobahn eineinhalb Stunden zu spät anfangen konnten." Mit der Bahn sei die Band damals dann zum Veranstaltungsort gefahren - eine Weile ist das schon her, die Mitsubishi Electric Halle hieß noch Philipshalle. Die Mitglieder jedenfalls mussten sich noch auf dem Weg zum Auftritt umziehen, und seien dann sofort auf die Bühne gesprintet.

Wie um die lange Wartezeit von damals wieder gut zu machen, läuft die Band am Abend förmlich über vor Energie und Spielfreude. "Im Grunde sind wir immer noch die Schülerband von damals", ruft Engler irgendwann aus. Über 35 Jahre ist das jetzt her, aber der kleine Junge in ihm ist noch zu erkennen, wenn er "Drachen wollen fliegen" singt. Irgendwie ist Engler aber auch erwachsen geworden. Zwischendurch wird die Band immer wieder ernst - und das Publikum im Saal still. Ganz bewusst wählte Pur den Titel "Achtung" für das neue Album, von dem viele Songs gespielt werden. Mit wummernden Bässen, entschlackten Schlagzeug-Rhythmen und schwebenden Gitarren haben Pur sich dabei an aktuellen Pop-Produktionen orientiert

Die Band punktet mit Beständigkeit. Sie verlassen selten die festgesteckten Pfade aus Strophe, Brücke und Ohrwurm-Refrain. Belohnt werden sie durch die Begeisterung der Fans. Selbst bei neuen Songs wie "Wer hält die Welt" halten sich mit der Band in Würde gealterte Paare und beste Freundinnen an den Händen und singen jede Zeile mit. Bei "Lena" oder "Wenn sie diesen Tango hört" haben sie Tränen in den Augen und beim Akustik-Medley mit "Stell dir vor", "Wenn du da bist" und John Lennons "Imagine" gibt es kein Halten mehr.

Quelle: RP
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