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Bonn
Wie Geschichte zum Filmstoff wird

Bonn. Das Bonner Haus der Geschichte zeigt eine Ausstellung zur deutschen Historie in Filmen. Von Klas Libuda

Sieben Kapitel der deutschen Geschichte werden in der neuen Ausstellung in Bonn verhandelt, und wer sie besucht, muss sich anschließend erst einmal sortieren wegen der Eindrücke, die er gesammelt hat oder leider auch nicht. Denn die Ausstellung "Inszeniert - Deutsche Geschichte im Spielfilm", die nun im Haus der Geschichte zu sehen ist, ist der Versuch, möglichst viel Stoff auf dem begrenzten Ausstellungsraum unterzubringen - und das geht leider schief. Im Sport nennt man dieses Problem Übermotivation.

Dabei ist die Idee gut. Holocaust, Widerstand, Zweiter Weltkrieg, Flucht, Wirtschaftswunder, Linksterrorismus, Blick auf die DDR nach 1989 und ihre jeweils filmische Aufarbeitung sind die Themen der Ausstellung, die bis 15. Januar 2017 zu sehen ist. Im Mittelpunkt steht das Spannungsfeld zwischen Fakt und Fiktion in den Filmstoffen. Was darf der Film und was nicht? Und wie wirkte er zum Zeitpunkt der Veröffentlichung auf die Zuschauer? "Das Volk will keine KZ-Filme mehr sehen", schrieb einmal das Hamburger "Sonntagsblatt" über die ersten filmischen Auseinandersetzungen mit dem Holocaust. Das war vier Jahre nach dem Krieg, 1949, so ist es im ersten Ausstellungsraum zu lesen, der die filmische Aufarbeitung des Holocausts zum Thema hat.

"Können Spielfilme den Holocaust angemessen darstellen?", wird zu Beginn gefragt, ein Thema, das zweifellos eine eigene Ausstellung wert wäre. "Das Mitgefühl ist entscheidend", meint Steven Spielberg. "Ausschwitz kann nicht erklärt, noch kann es sichtbar gemacht werden", schreibt indes Elie Wiesel. Immer wieder lassen die Ausstellungsmacher Widerspruch zu - bei eigener Enthaltung.

Unzählige Multimedia-Stationen laden in den Räumen ein, Filmausschnitte zu begutachten, Interviews mit Regisseuren und Beschwerde-Telefonaten erboster Fernsehzuschauer zuzuhören, und wer nichts auslassen möchte, muss definitiv wiederkommen. 500 Exponate haben die Ausstellungsmacher außerdem zusammengetragen, um ihre Schau zu illustrieren: von der Uniform, die Hollywood-Star Tom Cruise als Graf Schenk von Stauffenberg in "Operation Walküre" getragen hat über die Abhörstation aus dem oscarprämierten DDR-Spitzel-Spielfilm "Das Leben der Anderen" bis zum Nachbau der Zelle von RAF-Terroristin Gudrun Ensslin, so wie sie im Film "Der Baader Meinhof Komplex" zu sehen war - mit Marx- und Engels-Werken im Bücherregal und Ensslins Original-Schreibtisch aus dem Gefängnis in Stammheim. Nebenan wird ein vierminütiger Zusammenschnitt aus eben jenem Film gezeigt - diese Zusammenfassungen bedeutender Filme gibt es in jedem Ausstellungsraum. An einem Pult lässt sich abstimmen: "Macht der Film Terroristen zu Stars?" Wer ihn nicht ganz gesehen hat, kann das schwerlich beurteilen. Entsprechend ausgeglichen ist das Stimmungsbild.

Ohnehin wird die Ausstellung erst für jene zum Gewinn, die die Filmstoffe und die historischen Zusammenhänge kennen oder sogar miterlebt haben. Zwei Damen können sich am Filmplakat zu "Mein Mann, das Wirtschaftswunder" und der ausgestellten Filmtrophäe "Bambi" erfreuen, mit der die Komödie "Das Spukschloß im Spessart" ausgezeichnet wurde. "Ach, die Tralala-Filme", sagen sie. Den Zwölf- und 13-Jährigen, die klassenweise durch die Schau geschleust werden, ist das alles jedoch herzlich egal.

Info "Inszeniert - Deutsche Geschichte im Spielfilm", bis 15. Januar 2017, Haus der Geschichte, Willy-Brandt-Allee 14, Eintritt frei

Quelle: RP
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