| 07.55 Uhr

Wuppertal
Wie Henry Moore seine Skulpturen entwickelte

Wuppertal. Der Skulpturenpark Waldfrieden in Wuppertal zeigt 30 Plastiken des Künstlers - mehr als nur Entwürfe. Von Natascha Plankermann

Bevor eine Skulptur gegossen wird, entsteht erst einmal eine Form - in der Regel aus Gips. Und es gibt Künstler, bei denen ist diese schon ein Kunstwerk. Zu ihnen gehörte Henry Moore mit seinen liegenden oder sitzenden Figuren. Sein Kollege Tony Cragg, Stifter des Skulpturenparks Waldfrieden in Wuppertal, hat sich jetzt einen lange gehegten Wunsch erfüllt: Er zeigt 30 dieser Werke in zwei Ausstellungshallen sowie draußen im Park. Sein Aha-Erlebnis mit den "Plasters" (Gipsen) von Henry Moore hatte Cragg vor Jahren in einem Museum in Toronto: "Ich stand auf einmal in einem Raum mit diesen Skulpturen und erkannte, wie genial die Oberfläche behandelt wurde, wie eine konkave zu einer konvexen Form wurde." Er sei quasi "in Trance gefallen" meint Cragg, der sich eine ähnliche Begeisterung für die Ausstellungsgäste wünscht.

In der Tat kann man sich dem Zauber der ruhigen Gestalten, die in ihrer Üppigkeit jenseits anatomischer Genauigkeit teils wie hingegossen wirken, ebenso wenig entziehen wie dem Eindruck der riesigen Modelle, die entfernt an den Backenzahn eines Sauriers erinnern. Dass sie aus Gips und nicht aus Marmor oder Alabaster bestehen, mag man kaum glauben. Denn ihre Oberfläche ist rau, gemasert und lebendig schattiert. Sie beherrschen den Raum der verglasten Ausstellungshalle im Park und wollen von allen Seiten betrachtet werden. Vor der Tür der Villa Waldfrieden hat es eine Veränderung gegeben: Die Skulptur "Vater Staat" von Thomas Schütte wechselte ihren Ort von dort zum Parkeingang, stattdessen reckt sich jetzt die "Large Interior Form" von Henry Moore elegant gebogen in die Höhe. Gleich gegenüber dem ehemaligen Unternehmer-Wohnhaus hat die "Sitzende" Platz genommen, ein Bronzewerk, das Henry Moore ursprünglich einmal für die Front der Wuppertaler Schwimmoper konzipiert hatte.

Wer den Weg von der Villa zur zweiten Ausstellungshalle in "Waldfrieden" nimmt, findet dort kleine "Plasters" wie etwa Studien für Köpfe oder Hände vor. Teils eröffnen geringfügige Beschädigungen einen Blick in ihr Innenleben, das sich im Lauf der Jahre veränderte: Bis Mitte der 1960er Jahre wurden die Modelle aus schweren Holz- und Metallgestellen gebaut, später arbeitete Moore mit Styropor und konnte dadurch größere und zugleich leichtere Skulpturen entwerfen. Als "monumental" beschreibt Tony Cragg jedoch auch die Werke, die gerade mal den Umfang zweier Fäuste haben, und meint, diese Eigenschaft habe nichts mit Größe zu tun. Zur Eröffnung ist auch Sebastiano Barrassi gekommen, der die Sammlung der Henry Moore Stiftung in England leitet. Seine Augen leuchten, wenn er gefragt wird, wie er den Wuppertaler Skulpturenpark als Ausstellungsort findet: "Perfekt, wie die Werke hier vor der Landschaft präsentiert werden", schwärmt er und meint, das würde sicher auch Henry Moore gefallen haben. "Er hatte ein Atelier, das so ähnlich gelegen war, denn er liebte es, inmitten der Natur zu arbeiten."

Die Ausstellung "Plasters" (Gipse) mit Werken von Henry Moore ist noch bis 9. Oktober im Skulpturenpark Waldfrieden zu sehen. Er ist dienstags bis sonntags 10 bis 19 Uhr geöffnet. Die Adresse: Hirschstraße 12, Wuppertal, weitere Informationen unter www.skulpturenpark-waldfrieden.de

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Wuppertal: Wie Henry Moore seine Skulpturen entwickelte


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.