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Wien
Wiener Neujahrskonzert als CD schon auf dem Markt

Wien. Der Klassikmusikbetrieb, zuweilen als behäbige Disziplin gerügt, hat den Rollator längst ausrangiert. Er ist dynamischer, als viele glauben, und hat Erfolg damit; er gewinnt neues und vor allem jüngeres Publikum. Und er ist schneller bei der Kundschaft. Viele Konzerte gibt es live über Streaming-Dienste; aus manchen Aufführungen kann man hinterher sogar die live mitgeschnittene CD nach Hause tragen. Von Wolfram Goertz

Kaum haben kürzlich die Wiener Philharmoniker unter Mariss Jansons ihr Neujahrskonzert aus dem Wiener Musikvereinssaal gegeben, liegt das Konzert auch schon als Hochglanzprodukt auf CD (bei Sony) im Laden; selbstverständlich mit dem Möglichkeiten der Postproduktion in Form gebracht. Die CD bietet also das Live-Erlebnis mit modernster Technik nachbearbeitet. Jedenfalls sind seit dem Konzert nur ein paar Wochen vergangen; so erreicht man auch das Gedächtnis derjenigen, die eher zufällig in die Sendung gerieten, aber dann hängen blieben.

Dabei kann man die Platte auch genießen, wenn man schon fast in der Karwoche ist. Das liegt am multiplen Charakter, den klassische Musik annimmt. Walzer und Polkas von Strauß sind eben sehr geländegängige Musik, die über den Festtags-Luxus hinaus eine enorme Beschwingtheit spendet. Und wieder mal zeigt sich, dass der lettische Dirigent Mariss Jansons wahrlich einer der Größten seines Fachs ist. Der Mann weiß, wie man Klangfarben zaubert, wie man den Wienern Zückerchen gibt, damit sie rhythmisch aus der Traditionsackergaulspur rauskommen; er kann Musik explosiv beschleunigen, dass die Lipizzaner fast durchgehen - und er kann sie geruhsam ausgaloppieren lassen.

Ist das Wiener Neujahrskonzert thematisch natürlich auf Jahrhunderte vorstrukturiert, so konnten die Berliner Philharmoniker in ihrem Silvesterkonzert unter Simon Rattle (als DVD jetzt bei EuroArts) praktisch tun, was sie wollten. Hier spielt Anne-Sophie Mutter "Introduction und Rondo capriccioso" von Saint-Saëns sowie "Tzigane" von Ravel. Witzig und wunderbar ist das Ballettmusik "Les Biches" von Francis Poulenc, ein zauberhaftes Werk, das man viel zu selten hört.

Man kann Platte und DVD natürlich im ganzen weiteren Jahr 2016 schon jetzt als Vorbereitung auf die nächsten Silvester- und Neujahrskonzerte nutzen. Die Stimmung dürfte dann annähernd gleich sein.

Quelle: RP
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