Tanztheater Night of the Sultans: Wo Prometheus seine Pandora kriegt
zuletzt aktualisiert: 17.11.2004 - 11:34Istanbul (rpo). Wenn man die Prometheus-Literatur für das Tanztheater aufbereitet, möchte man schon einen Pas de deux integrieren. Auch eine dramatische Liebesgeschichte und ein Happy End machen sich gut. Rufus Beck hat für das Ensemble "Night of the Sultans" solange an der Sage gefeilt, bis daraus "Pandoras Legend" wurde: Am Ende tanzt ein von seinen Fesseln befreiter Prometheus verliebt mit seiner Pandora. Im Dezember geht das Stück auf große Deutschlandtournee.
"Es sind vier Fassungen des Prometheus-Mythos überliefert", erklärt Beck. "Das hier ist die fünfte Version der Prometheus-Geschichte." Das von Marcel Avram produzierte Tanztheater spannt den West-Östlichen Diwan von Hollywood über Europa und Orient bis zum Kaukasus. Sein natürlicher Mittelpunkt ist Istanbul, wo das Stück Anfang Oktober Weltpremiere hatte.
Ein Jahr arbeitete das Ensemble unter der Leitung des Künstlerischen Direktors Manuel Joel Mandon und dem Choreografen Cemil Özen an der tänzerischen Gestaltung. Die Musik wurde unter Koordination von Kader Kesek von Zeynel Demir und Mehmethan Disbudak sowie dem Hollywood-Komponisten Udi Harpaz, Taner Demiralp aus Istanbul und Ron Klein aus Tel Aviv geschrieben. Das Buch schrieb Beck mit Kesek und Mandon.
"Das können nur Wahnsinnige", sagt Avram am Weltpremierenabend über das Unterfangen. Kesek, der in Deutschland aufgewachsen ist und wie Beck bei Peter Maffays jüngster "Tabaluga"-Tournee mitwirkte, spricht von einem Versuch, "musikalisch Orient und Okzident zusammenzubringen". Es hätten sich dabei Begegnungen musikalischer Kulturen aus Amerika, Israel, dem Orient und Russland ergeben, und zwar entlang der Pole Mythologie und Philosophie sowie "Hollywood und Straßenmusik". Die Götter agieren überwiegend zu dramatischen Hollywood- und westlichen Popklängen und die Menschen zu sinnlich-orientalischer Musik.
Avram verweist darauf, dass die Musik in großen Teilen zur Choreografie geschrieben wurde. So habe auf alle Nuancen der Bewegungen geachtet werden können, und in Istanbul seien die richtigen Tänzer und Tänzerinnen für das Projekt gefunden worden: europäisch und orientalisch zugleich. Den Anspruch an den vom Band kommenden Sound formuliert er so: "Wir sind das Pink Floyd des Tanztheaters."
"Pandoras Legend" enthält 34 Choreografien in zehn Kapiteln; gezeigt werden, wie Mandon versichert, traditionelle Tänze aus dem gesamten Raum, der einst zum Osmanischen Reich gehörte. "Sicherlich wird das Bein etwas höher genommen und athletischer getanzt", sagt der künstlerische Direktor. "Aber im Grunde sind das alles Tänze, die auch heute noch am Schwarzen Meer oder im Kaukasus getanzt werden." Der Truppe gehören Türken, Russen, Osseten, Inguschen und andere Nationalitäten des Raums an, in dem der Prometheus-Mythos spielt. "Die osmanische Kultur hat Jahrhunderte den Raum dominiert", sagt Beck. "Von Europa bis zum Kaukasus. Es war ein Schmelztiegel; es war eine Stärke der osmanischen Kultur, alles zugelassen zu haben."
Internationale Tournee
Mandon gibt zu, dass man in Gefahr war, sich zu verzetteln. "Das Orientalische gefällt nicht jedem", benennt er eine Gefahr. Erst Beck habe den roten Faden in die Produktion gebracht. Der Autor, Regisseur und Schauspieler Beck erklärt, dass er seine Hauptaufgabe darin gesehen habe, den Stoff zu vereinfachen. "Ich will eine Geschichte erzählen, die Leute sollen nach der Aufführung Szenen mit einer Handlung verbinden können", sagt er.
Bei der Weltpremiere in Istanbul wurde das Ensemble mit Ovationen gefeiert. Und Avram ist entschlossen, die Show über Deutschland hinaus in die Welt zu bringen: Großbritannien, Frankreich, Österreich, Schweiz, Israel, Russland und weitere Länder sollen folgen.
Die Show bietet von Bauch- und Schwerttanz bis hin zum klassischen Pas de deux vieles, was die Sinne von Zuschauern und Zuschauerinnen erfreut. Das überstrahlt die eine oder andere Schwachstelle in Konzept und Handlung.
Die von Becks salomonischem Zeus angeordnete Metamorphose des Titanensohns Prometheus zum Menschen mag ja noch angehen; einer der Sagen zufolge wurde er ja nach Jahrhunderten, in denen er an einen Felsen im Kaukasus angeschmiedet täglich von einem Adler in die Leber gezwickt wurde, von Herakles befreit. Pandoras Wandlung vom Racheinstrument der Götter zu einer liebenden Frau bringt uns Heutigen das von Hollywood anerzogene Happy End - und den Pas de deux, den man so gerne im Tanztheater sieht.
Tourdaten:
10.12. Berlin (ICC)
11.12. Leipzig (Arena)
12.12. Braunschweig (VW-Halle)
14.12. Hamburg (CCH)
10.04.05 Mannheim (Mozartsaal)
20.04. Stuttgart (Schleyerhalle)
22.04. Oberhausen (Arena)
23.04. Frankfurt (Festhalle)
26.04. Kempten (Big Box)
27.04. München (Olympiahalle)
29.04. Nürnberg (Arena)
30.04. Hannover (Stadionsporthalle)
07.05. Dortmund (Westfalenhalle)
08.05. Düsseldorf (Philipshalle)
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