| 02.30 Uhr

Wuppertal
Zeitlos: "1980" von Pina Bausch

Wuppertal. Mehr als 30 Jahre ist "1980 – Ein Stück von Pina Bausch" schon alt, doch es zeigt keinerlei Alterserscheinungen. Das konnte man nun im Wuppertaler Opernhaus erleben, wo "1980" nach mehr als zehn Jahren als Neueinstudierung zu erleben ist. Von Marion Meyer

Die Tänzer sind mit dem Stück gealtert. Die meisten sind über 50 Jahre alt, Lutz Förster und Mechthild Großmann, beide noch aus der Originalbesetzung, sogar schon über 60. Der Vitalität schadet das nicht, im Gegenteil: aus dem Gegensatz von jugendlichem Spieltrieb, den die Tänzer hier ausleben, und gelebter Erfahrung ergeben sich reizvolle Kontraste.

Für die 2009 verstorbene Pina Bausch war "1980" eine ihrer wichtigsten Choreografien. In dem Entstehungsjahr starb ihr Lebenspartner, Bühnen- und Kostümbildner Rolf Borzik, der ihre Werke bis dahin stark beeinflusst hatte. Bausch stürzte sich in Arbeit und schuf "1980", ein Werk, das Trauer und Abschied genauso thematisiert wie die Sehnsucht nach der Unbeschwertheit der Kindheit und dabei teils hinreißend komisch wirkt, etwa wenn sich der große Lutz Förster nackt wie ein Baby mit Rassel auf ein kleines Fell legt.

Mit "1980" schuf erstmals Peter Pabst ein Bühnenbild für das Tanztheater Wuppertal. Er ließ die Bühne bis auf die Brandmauern offen und nackt, den Boden bedeckt eine frische Wiese, auf der ein einsames Reh steht – Sinnbild für die Einsamkeit der Menschen, die hier, entfremdet von der Natur, nie allein sind, aber immer auf sich gestellt. Häufig herrscht hektische Betriebsamkeit, wenn die 19 Tänzer gleichzeitig auf der Bühne aktiv sind. Dann wieder kehrt Stille ein, wenn sich einzelne Tänzer zu ruhigem Paartanz zusammenfinden.

Der Tanz spielt hier eine untergeordnete Rolle. Das Stück hat großen Einfluss gehabt auf die Arbeit von Pina Bausch, denn hier vereint sie alle Ausdrucksmittel und Motive, die ihr Tanztheater prägten und die Compagnie weltberühmt machten.

Sehnsucht und Angst, zwei zentrale Motive, finden sich in zahlreichen Szenen, etwa wenn sich ein Mann (in Frauenkleidern) die Augen zuhält, "Tahiti" wünscht und enttäuscht guckt, als er nicht an den Ort der Träume gelangt ist. Kinderlieder spielen genauso eine zentrale Rolle wie Kinderspiele. Eine Frau gratuliert sich selbst mangels Gästen zum Geburtstag. Später wiegt sie einen Mann auf dem Schoß in den Schlaf. Pina Bauschs Themen und Bilder sind universell und zeitlos, deshalb werden sie auch in aller Welt verstanden. Im Gegensatz zu ihren späteren Stücken voller Tanz und Lebenslust fordert "1980" mit dreieinhalb Stunden Spieldauer den Zuschauer mehr, wühlt ihn auf und lässt ihn so schnell nicht los.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Wuppertal: Zeitlos: "1980" von Pina Bausch


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.