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Aufruhr im Oberhaus

An der Spitze der Auto-Pyramide tut sich was. Ein halbes Dutzend neuer Oberklasse-Modelle stehen in den Startlöchern. Von Thomas Geiger

Harald Krüger hat sich eine besondere Premiere für seinen ersten öffentlichen Auftritt als BMW-Chef ausgesucht: Das Auto, das der Manager kürzlich in München enthüllt hat, ist der neue 7er. Die große Limousine hat - wie üblich - eine wichtige Mission: Sie soll die technologische Kompetenz des Konzerns unter Beweis stellen. Und ganz nebenbei gleich die ganze Oberklasse in Bewegung bringen, wie der ebenfalls neue Entwicklungschef Klaus Fröhlich sagt.

BMW zielt natürlich vor allem auf die Mercedes S-Klasse, die traditionell die Luxus-Liga dominiert. Aber die Oberklasse-Limousine aus Stuttgart muss in diesen Tagen nicht nur den Angriff aus München parieren. Fast ein halbes Dutzend neuer Modelle wollen dem Mercedes ans Leder. Es ist also viel los in einem Segment, in dem sich sonst eher wenig tut.

BMW setzt bei der neuen Generation des 7ers auf Leichtbau: Bis zu 130 Kilogramm haben die Bayern durch den großzügigen Einsatz von Karbon in der Karosserie eingespart und erheben damit "Anspruch auf die Führungsposition bei Fahrdynamik und Effizienz", wie Pressesprecherin Suzana Kolundzic sagt.

So soll die Limousine im besten Fall in 4,4 Sekunden auf Tempo 100 sein und mit allen Motoren, die zwischen 195 kW/265 PS und 330 kW/450 PS leisten, sind 250 km/h möglich. Die Verbrauchswerte sollen dabei zwischen 4,5 Litern Diesel und 8,1 Litern Benzin liegen. Erstmals kommt der 7er auch mit Plug-in-Hybrid, der bei 240 kW/326 PS Systemleistung 2,1 Liter laut Norm verbraucht.

Zugleich versprechen die Entwickler mehr Komfort zum Beispiel durch eine separate Luftfederung für beide Achsen, eine Hinterradlenkung und natürlich ein Heer neuer Assistenzsysteme: So hält sich der 7er auf Knopfdruck automatisch ans Tempolimit, greift unaufmerksamen Fahrern ins Lenkrad und bietet als erstes Auto für bestimmte Funktionen eine Gestensteuerung, teilt BMW mit.

Im Windschatten des 7ers läuft sich unterdessen ein weiterer Konkurrent aus Bayern warm. Audi arbeitet mit Hochdruck am neuen A8, bestätigt Entwicklungsvorstand Ulrich Hackenberg und stellt die große Limousine für 2016 in Aussicht. Stilistisch werde sich der Luxusliner an der Studie "Prologue" orientieren, sagt Designchef Marc Lichte. Technisch will die VW-Tochter mit dem nächsten Schritt zum autonomen Fahren überzeugen: "Im nächsten A8 kommt der Autobahn-Pilot", verspricht Hackenberg und stellt ein System in Aussicht, das bis Tempo 60 auf Schnellstraßen weitgehend ohne Fahrer auskommt.

Zugleich gibt mit dem A8 eine neue Konzern-Architektur ihren Einstand. Denn die gleiche Technik nutzt nach Angaben eines VW-Sprechers auch der nächste Phaeton, der dem Audi-Flaggschiff mit ein paar Monaten Respektabstand folgen wird. Und wenn Porsche nach Informationen aus Unternehmenskreisen 2016 oder 2017 die zweite Generation des Panamera bringt, wird man dort ebenfalls zahlreiche Ähnlichkeiten mit dem Audi A8 entdecken.

Zwar dominieren die deutschen Hersteller vor allem in Europa die Oberklasse. Doch anderenorts stehen die Luxusliner mit Modellen aus anderen Ländern im harten Wettbewerb. Der könnte sich in den nächsten Monaten noch einmal deutlich verschärfen. So ist bei Jaguar ein Update für den XJ fällig, Lexus dürfte bald einen Nachfolger des LS präsentieren, und Infiniti-Chef Roland Krüger hat angekündigt, dass er sich die Studie Q80 vom Pariser Salon 2014 bald in Serie wünscht.

Am weitesten sind aber die Amerikaner, die sich aus der Oberklasse bereits abgemeldet hatten und jetzt um so vehementer zurückkommen wollen. "Dieses Segment ist zu groß, als dass wir es auslassen könnten", sagt Ford-Chef Mark Fields und lenkt den Blick auf den Lincoln Continental, der mit über fünf Metern Länge und einem Design im Stil des Bentley Continental zum Blickfang auf der New York Motorshow wurde.

Für Europa ist der Continental zwar kein Thema, doch der neue Cadillac CT6 lohnt einen Blick über den Atlantik. Denn in den USA kommt die Luxuslimousine noch in diesem Jahr in den Handel, und in Europa soll sie Anfang 2016 starten, stellt Pressesprecher René Kreis in Aussicht.

Ähnlich wie BMW beim Siebener feiern sich die Amerikaner als Leichtbau-Champions, reklamieren einen Diäterfolg von über drei Zentnern für den CT6 und kommen deshalb mit durch und durch unamerikanischen Motoren aus. Vom typischen V8-Motor ist derzeit keine Rede.

Quelle: RP
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