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Gute Zeiten für Autofahrer
Der Spritpreis fällt und fällt

Benzinpreis fällt und fällt - Gute Zeiten für Autofahrer
FOTO: dpa
Düsseldorf. Autofahrer dürfen auf weiter niedrige Spritpreise hoffen. Experten sehen sogar noch Spielraum nach unten. Obwohl schon im Sinkflug, sind die Preise in Deutschland vergleichsweise hoch. Grund für den Günstig-Trend ist der Preiskampf zwischen der Opec und den US-Fracking-Konzernen. Von Georg Winters

Gute Nachrichten von der Tankstelle: Ende der Woche sind die Preise an der Zapfsäule so niedrig wie lange nicht. In der Donnerstagsausgabe der Tagesthemen war erstmals in diesem Sommer eine Zapfsäule mit einem Preis von 99,9 Cent unter dem Diesel-Schild zu sehen. Ähnlich die Lage auch in NRW: Laut Spritpreismonitor ist ein Liter Diesel im Raum Düsseldorf mittlerweile für 1,019 Euro zu haben, ein Liter Super E 10 für 1,259 Euro. 

Autofahrer können nach Einschätzung von Fachleuten in absehbarer Zeit noch auf sinkende Ausgaben für Benzin und Diesel hoffen. Mitte der Woche teilte der ADAC mit, der Preis für einen Liter Super E 10 sei im Bundesdurchschnitt auf 1,363 Euro gefallen. Damit ist er seit Anfang Juni um rund zehn Cent gesunken.

"Es besteht noch Spielraum nach unten", sagt ADAC-Experte Jürgen Albrecht Der Preisunterschied zwischen Benzin und Diesel beträgt nach Angaben des ADAC derzeit mehr als 24 Cent, von denen aber nur knapp 22 Cent durch die höheren Steuern begründet seien. Auch Rainer Wiek vom Energie-Informationsdienst erwartet dauerhaft günstige Preise. "Das sieht so aus, als werden wir dieses Jahr, wahrscheinlich sogar noch bis ins nächste Jahr ein Niveau haben, das niedrig ist", sagt der Experte den ARD.

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Dass der Kraftstoff trotz der extrem gesunkenen Rohölpreise in Deutschland überhaupt noch vergleichsweise teuer ist, begründen Experten auch mit der hohen internationalen Nachfrage. "Benzin hat gerade eine Sonderkonjunktur. Vor allem aus den USA wird extrem viel nachgefragt", sagt Heino Elfert, Herausgeber des Energie-Informationsdienstes (EID) in Hamburg. Hintergrund ist die "Driving Season" in den Vereinigten Staaten - jene Zeit im Sommer, in der sich die US-Highways und Interstates mit Reisenden füllen, was die Nachfrage steigert. Ohne diesen Effekt würde der Preis möglicherweise unter 1,35 Euro liegen.

Der Rohölpreis dürfte in absehbarer Zeit keine Argumente für teureres Tanken liefern. "Wenn der Preis weiter sinkt, kann man davon ausgehen, dass auch die Kraftstoffpreise sinken", sagt ADAC-Marktexperte Albrecht. Tatsächlich sanken siegestern. Der Preis für amerikanisches Öl fiel auf den tiefsten Stand seit sechs Jahren. Ein Barrel der US-Sorte WTI kostete zeitweise nur noch etwas mehr als 40 Dollar, für die gleiche Menge der Nordseesorte Brent mussten Käufer zwischenzeitlich nur noch 46,30 Dollar zahlen. Zum Vergleich: Anfang September des vergangenen Jahres lagen die Preise noch deutlich über der 100-Dollar-Marke gelegen.

Anhaltspunkte dafür, dass die Preiskurve in absehbarer Zeit nach oben zeigt, gibt es keine. "Wir haben derzeit eine wahre Ölschwemme, es wird viel zu viel Öl produziert", sagt EID-Fachmann Elfert. Im Wettlauf um möglichst hohe Marktanteile unterbieten sich die Mitglieder der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) und die amerikanischen Konzerne, die Öl und Gas aus Schiefergestein fördern (Fracking), gegenseitig. Hinzu kommt, dass nach der Einigung im Atomstreit der Iran als Öl-Exporteur hinzugekommen ist. "So viel wie im Juni und Juli haben die Opec-Staaten noch nie produziert", sagt Elfert. Saudi-Arabien beispielsweise förderte allein im Juni durchschnittlich 7,4 Millionen Barrel pro Tag.

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Elfert glaubt noch an eine weitere Ursache für die extrem hohen Fördermengen der Opec-Staaten. Vor dem Weltklimagipfel im Dezember in Paris wollten sie den Preis unbedingt niedrig halten, um auch in Zeiten wachsenden Klima- und Umweltbewusstseins noch ein Verkaufsargument für Rohöl zu haben.

Das Überangebot am Markt ist ein Grund dafür, dass manche Experten an eine Fortsetzung des Preisverfalls glauben. Ein weiterer ist die weltweite Angst vor der Konjunkturkrise in China, die auch Schwellenländer mitzureißen droht. Analysten der Citibank haben bereits vorausgesagt, dass der Ölpreis auf bis zu 32 Dollar je Barrel fallen könnte. "Der Boden ist wohl noch nicht erreicht", heißt es auch bei der Commerzbank.

Quelle: RP
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