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Fahrbericht
Ein Sprinter mit sehr viel Eleganz
Der neue Audi A 3 lässt sich sportlich fortbewegen. Doch er liebt auch längere und ruhigere Touren. Von Lothar Schröder

Woran erkennt man die wirklichen Stars? Vielleicht daran, dass sie nicht dauernd Sprüche klopfen müssen, dass sie kein schrilles Outfit brauchen und nicht nach jedem Scheinwerferlicht gieren. Danach müsste der neue Audi A 3 zweifelsohne zu solchen Stars gehören. Denn sein Auftritt ist aufreizend unscheinbar, er kommt daher mit einer großen Selbstverständlichkeit, so, als führe ohnehin kein Weg an ihm vorbei.

Zunächst einmal ist das Design sein Markenzeichen. Einen Audi erkennt man seit Jahren an dieser zurückhaltenden, etwas kühlen und dadurch edel wirkenden Formensprache. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Der A 3 ist vielleicht ein klein wenig kantiger geworden, etwas impulsiver in der Optik. Das korrespondiert natürlich mit dem Image dieses Autos, das sich mit seiner 180-PS-Maschine sehr zügig und anzugsfreudig durch die Welt bewegen lässt.

Aber dieser Audi ist in seinem Charakter weit tiefgründiger, als dass man ihm dieses Klischee anheften sollte. Er ist überhaupt nicht ruppig oder aggressiv, sondern kann ein ruhiger Begleiter auf langen Touren sein. Hier liegen vielleicht sogar seine Stärken, zumal dann auch der Spritverbrauch in annehmbare Bereiche gelangt, das heißt um die sieben Liter. Wer den Audi aber überwiegend sportlich zu bewegen wünscht, wird – je nach Fahrweise – auf 100 Kilometer drei bis vier Liter noch zutanken müssen.

Aber das Fahrzeug kennt auch harmonische Seiten, und dass diese auch zum Audi gehören, erkennt man schon an den niedrigen Drehzahlbereichen; selten kommen sie selbst bei ordentlichem Tempo über 2500 Drehungen. Und das scheint dieser Audi auch zu wünschen. Man wundert sich, wie früh man dazu ermuntert wird, in den nächst höheren Gang zu schalten. Und ruckzuck ist man auch bei moderaten Geschwindigkeiten im sechsten Gang, ohne dass der Wagen untertourig fährt.

Man hat diesen neuen Audi A 3 schon als "Golf für Bessergestellte" zu klassifizieren versucht. Das stimmt nicht ganz, weil dieser Wagen gerade in der Ausstattung nicht allzu viele Kompromisse zu dulden scheint. So attraktiv der Preis für die Grundausstattung des kleineren Modells auch ist (22 500 Euro), dieses Wohlfühlauto verdient es, nicht auf alle Extras zu verzichten. Die kosten aber – vom Feinnappa-Leder in den Vordersitzlehnen für über 1000 Euro bis hin zum Bang & Olufsen-Sound-System für 663 Euro. So kann man schnell bei 45 000 Euro ankommen und sich damit von jedem Golf-Vergleich schon arg weit entfernt haben.

Was bei diesem Auto von Anfang an neben der ausgereiften Audi-Technik überzeugt, ist sein freundlicher Willkommensgruß. Man fühlt sich von Beginn an aufgehoben, und nichts überfordert einen: die dezenten Armaturen, die zurückhaltenden Helfer wie der Spurwechselassistent sowie der gesamte Bereich des sogenannten Infotainments, der sich mittels eines Dreh-Drück-Stellers spielerisch bedienen lässt. Manchmal will man schnell irgendwo hinkommen. In diesem Audi beginnt man, sich über Umwege zu freuen.

Quelle: RP
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