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Eine Rakete für den Alltag

Mit der "Sports Series" möchte McLaren im Luxussportwagen- Segment angreifen. Eine Testfahrt, drei Modelle, ein Urteil: Bitte mehr davon! Von Dirk Weber

Das Schwierigste ist nicht, den Bleifuß zu kontrollieren, wenn die Ampel auf Grün springt, oder eine Parklücke zu finden, die groß genug ist, damit die Flügeltüren nicht das Nachbarauto verschrammen. Die Herausforderung besteht darin, die gewünschte Sitzposition einzunehmen. Denn die Schalter befinden sich nicht wie sonst üblich an der Außenseite des Sitzes, sondern innen, da, wo es wegen der Mittelkonsole auch so schon eng genug ist. Man sieht nicht, wohin man greift, sondern tastet mit spitzen Fingern im Dunkeln, bis der Sitz sich bewegt. Das ist umständlich, wenn der Fahrer öfter wechselt. Dagegen ist die restliche Bedienung fast ein Kinderspiel.

McLaren hat zur Testfahrt mit der neuen Sport-Serie geladen. Zur Auswahl stehen das 540C Coupé, das 570S Coupé und der 570 Grand Tourer. Die Strecke führt vom Showroom in Düsseldorf zum Braunkohletagebau bei Kerpen, über verschlungene Landstraßen in die Eifel, weiter in die Ardennen und über die Autobahn zurück ins Rheinland. Ein Tag, drei Supersportler, knapp 400 Kilometer zu fahren.

Beim Einstieg in eine solche Flunder muss man sich für gewöhnlich ziemlich verrenken. Doch die "Sports Series" ist laut McLaren für den Alltag gemacht, ein Auto für die Straße. Mit ihm klopfen die Briten in der Klasse der Luxussportwagen an. Soll heißen: ein Trockengewicht von nicht viel mehr als 1300 Kilogramm dank Carbonfaser, 17 bis 19 Farbvarianten, eine freistehende C-Säule und ein weniger aggressives Design als bei bei der "Ultimate" oder der "Super Series" sowie ein überarbeiteter 3,8 Liter V8-Doppelturbo sollen dem Porsche 911 Turbo S und dem Audi R8 einheizen. Alltagstauglichkeit heißt in diesem Fall aber vor allem ein bisschen mehr Luft. Ein acht Zentimeter niedrigerer Türschweller verhindert, dass der Fahrgast aus dem Auto auf die Straße fällt.

Egal, wo das Dreier-Gespann auftaucht, es erregt Aufsehen. Autos fahren rechts ran. Handys werden gezückt, um Fotos zu machen. Kinder knuffen sich in die Seite oder bleiben mit offenen Mündern stehen. Auf dem Parkplatz bildet sich sofort eine Menschentraube. Besonders viel Aufmerksamkeit zieht der Grand Tourer auf sich - mit seinem Panorama-Glasdach und der Glasluke, die sich zur Seite hin aufklappen lässt und unter der sich weiterer Stauraum (220 Liter) versteckt. Künftig können also zwei kleinere Gepäckstücke transportiert werden. Es gibt ein Handschuhfach, Seitenfächer, eine bessere Rundumsicht, Getränkehalter und eine Start-Stopp-Automatik. 3000 Exemplare möchte McLaren allein in diesem Jahr von der "Sports Series" an den Mann bringen. Die günstigste Variante ist das in 188 Arbeitsstunden handgefertigte 540C Coupé mit 540 PS ab 163.000 Euro. "Die Autos sprechen vor allem Selbständige an, die bereits einen Supersportwagen haben", sagt McLaren-Pressesprecher Frank Steffling. "Früher waren es die Ferrari-Fahrer, die zu McLaren gewechselt sind. Heute sind es vor allem Posche-Besitzer, die etwas Ausgefalleneres suchen."

Drückt man den Startknopf, ertönt im Innenraum... ja, was eigentlich: kein Brüllen, kein Fauchen, kein Getöse, stattdessen ein Knurren. Tritt man das Gaspedal durch, wird es zwar laut, ein knackiger, staubtrockener Rennsportsound, doch hätte es hier gern hörbar weniger alltäglich zur Sache gehen dürfen. Egal, Rückwärtsgang rein und los. Unter dem Heck springen zwei popelige Leuchten an. Klar, was McLaren damit sagen möchte: Die Autos sollen vorwärts, sofort. Der 570S ist schnell, wahnsinnig schnell. Er beschleunigt in 3,2 Sekunden von Null auf 100 km/h und in 9,5 Sekunden auf 200 km/h. Höchstgeschwindigkeit: 328 km/h. Wer da keinen erhöhten Serotoninspiegel bekommt, ist entweder tot oder hört auf den Namen Lewis Hamilton. Bei freier Fahrt schießt der Umdrehungszahlmesser in den roten Bereich (etwa 8000 Umdrehungen pro Minute), bevor das Doppelkupplungsgetriebe geschmeidig zwischen den sieben Gängen schaltet.

Bis 280 km/h zieht der 570S stramm durch und klebt dabei auf dem Asphalt wie ein altes Kaugummi. Es gibt drei Fahrmodi: Komfort, Sport und Track, dasselbe gilt fürs Fahrwerk. Wobei Track nur auf der Rennpiste zu empfehlen ist. Ansonsten sind die Autos erstaunlich komfortabel. Keine Rückenschmerzen am Ende der Tour. Natürlich hat der Spaß seinen Preis. Nach 360 Kilometern haben die Sportler Durst. Es versteht sich von selbst, dass man bei so viel Leistung kein Spritsparwunder erwarten darf. Ein Testverbrauch von 14,7 Litern auf 100 Kilometern kann sich dennoch sehen lassen.

Quelle: RP
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