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Elektroautos gebraucht kaufen

Lautlos und sauber durch die Stadt fahren - das funktioniert nur mit Elektroautos. Doch die sind als Neuwagen oft sehr teuer. Als Gebrauchtwagen fallen die Preise zum Teil erheblich. Von Fabian Hoberg

Elektroautos gelten als sauber und leise. Aber auch als teuer in der Anschaffung. Im Vergleich zu Fahrzeugen mit konventionellen Antrieben kosten E-Autos gleich ein paar Tausend Euro mehr. Wenn die Gesamtstrecke bis zu 120 Kilometer am Tag beträgt, ist ein E-Auto für Pendler interessant, denn es rechnet sich selbst bei niedrigen Spritpreisen. Denn nicht nur der Strom fällt günstiger als der fossile Kraftstoff aus, auch die Wartungskosten. Öl-, Filter- und Zündkerzenwechsel entfallen beispielsweise ebenso wie ein Kupplungstausch. Zudem sind Autos, die bis Ende 2015 erstzugelassen wurden, zehn Jahre von der Kfz-Steuer befreit, und die Versicherungsprämie ist meist niedriger. Anfang 2015 bezifferte das Kraftfahrtbundesamt (KBA) den Bestand mit 18.948 Autos. Im vergangenen Jahr wurden laut KBA 12.363 Elektrofahrzeuge neu angemeldet - bei 3,2 Millionen Zulassungen insgesamt.

Sie sind rar, doch es gibt sie, die Zweithand-Angebote mit Stecker. Dazu zählen unter anderem BMW i3, Ford Focus Electric, Renault Twizzy, Renault Fluence, Smart Fortwo Electric Drive und der VW E-Golf. Das bekannteste Modell dürfte der Tesla sein. Weltweit das meistverkaufte E-Auto ist jedoch der Nissan Leaf mit weit über 200.000 Exemplaren. Dazu kommen Autos, die auf eine E-Maschine umgebaut wurden.

Lohnt sich der Kauf eines elektrischen Exoten? Der ADAC ist zurückhaltend: "Seriöse Aussagen zu Schwachstellen bei gebrauchten Fahrzeugen, Mehrkosten oder der Rentabilität sind noch nicht pauschalisierbar", sagt Johannes Boos vom ADAC. Verlässliche Werte gebe es wegen der begrenzten Zahl der Fahrzeuge auf dem Markt nicht. "Beim Kauf eines gebrauchten Elektroautos sollten Käufer auf eine möglichst neue Hauptuntersuchung achten und bei seriösen Händlern oder Innungsmitgliedern kaufen", sagt Boos. Wichtig sei auch, die Kompetenz der lokalen Werkstatt zu prüfen, da aufgrund der verbauten Hochvolttechnologie speziell geschulte Mechatroniker notwendig sind.

Volker Blandow vom Tüv Süd sieht wenig Probleme: "Alle aktuell verfügbaren Fahrzeuge weisen durchweg eine hohe Qualität auf." Dazu zählen vor allem Autos wie E-Golf oder Passat GTE, die es auch mit Verbrennungsmotoren gibt. Bei den japanischen Herstellern wie Mitsubishi und Nissan sollte man auf das Modell und den Jahrgang achten: Im Laufe der Zeit wurden die Modelle technisch verbessert, fahren weiter und verbrauchen weniger Energie. Je neuer die Fahrzeuge seien, desto besser sei die Qualität der Akkus und die der E-Motoren.

Interessenten sollten sich über zwei Dinge Gedanken machen: die Reichweite (ohne Zwischenladung) und die mögliche Ladegeschwindigkeit. "Von einer nominellen Reichweite wie 160 Kilometern kann man im Winterbetrieb 20 bis 30 Kilometer abziehen. Diese Energie brauchen die Heizung und die Batterie, die kalt etwas schlechter arbeitet", sagt Blandow. Bei moderneren Autos wie dem BMW i3 oder dem Tesla macht sich das weniger bemerkbar. "Die Technik in den Fahrzeugen reift sehr schnell, die Reichweitenangaben im Fahrzeug werden zunehmend zuverlässiger", sagt Blandow.

Für das schnelle Laden reicht eine haushaltsübliche Steckdose nicht aus. Auch Stadtbewohner in der achten Etage ohne Garagenplatz mit Lademöglichkeit können sich den Traum vom emissionsfreien Fahren abschminken. Hausbesitzern mit Stromanschluss vor dem Parkplatz empfiehlt Blandow die Anschaffung eines Schnellladegeräts. Statt des eingebauten 3,6-kW-Ladesystems, (über Steckdose nur 2,3 kW), lässt sich die Batterie mit den Schnellladesystemen bis zu 50 kW aufladen. Der Vorteil liegt nicht nur im schnellen Vollladen, sondern im schnellen Zwischenladen.

Eine Schlüsselrolle spielt der Akku, der auch nach Jahren ausreichend Energie aufnehmen muss. "Inzwischen haben alle Fahrzeuge sehr zuverlässige Batterien. Wer beim Händler ein Gebrauchtfahrzeug erwirbt, geht in diesem Punkt sicherer", sagt der Experte vom Tüv Süd. Die Markenwerkstätten können über die Datenschnittstelle wichtige Batteriedaten auslesen. Der Tüv Süd arbeitet derzeit an unabhängigen Diagnosesystemen, um Restwerte von Fahrzeugen zu ermitteln. Die Batterie des BMW i3 soll ein ganzes Autoleben halten. Das heißt: mindestens zwölf Jahre und 150.000 Kilometer. "Auch wer oft mit 50 kW lädt, wird innerhalb eines normalen Autolebens keine Einschränkungen feststellen", sagt Manfred Poschenrieder von BMW.

"Wer ganz sichergehen will, testet das Fahrzeug eine volle Batterieladung lang und lädt dann wieder auf. Liegt die Reichweite im erwarteten Bereich und auch die Ladezeit, dann sollte die Batterie in Ordnung sein", sagt Blandow. Eine letzte Garantie gebe es derzeit außer durch den Händler jedoch noch nicht. Bei Fahrzeugen wie dem Renault Zoe lässt sich die Batterie mieten, so dass diese bei Defekten oder gegen eine neue Generation mit höherer Speicherkapazität getauscht wird. Nachteil: monatliche Folgekosten durch die Miete. Kleine und spartanisch ausgestattete Fahrzeug wie das Mitsubishi Electric Vehicle (iMiev) werden laut Schwacke-Liste 4/15 gebraucht ab 16.100 Euro (Baujahr 2013, durchschnittliche Laufleistung: 18.000 Kilometer, Neupreis zu dem Zeitpunkt: 29.300 Euro) angeboten. Der Renault Zoe ist ab 16.250 Euro (Neupreis 33.900 Euro) zu haben. Auch den oft in Flotten betriebenen Nissan Leaf gibt es nach Ablauf der Leasingverträge gebraucht schon ab 18.500 Euro (Neupreis 33.900 Euro).

Quelle: RP
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