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Fahrbericht
Seat Ibiza Cupra - Pflegeversicherung auf Speed

Seat Ibiza Cupra - mächtig Speed unter der Haube
Seat Ibiza Cupra - mächtig Speed unter der Haube FOTO: Hersteller
Barcelona. Bei der Topversion ihres Kleinwagens Ibiza zeigen die Spanier, dass sie auf Kundenwünsche bei der Modellpflege gehört haben - und auch auf manches, auf das die Cupra-Fans lieber verzichten möchten. Besonders bei einer Entscheidung hat Seat richtig geschaltet. Von Peter Weißenberg

"Bitte schalten Sie nun Ihre kühle Vernunft aus - und sich selber an.” Solch eine Anzeige würde eigentlich ganz gut in Stadtflitzer passen, die mit annähernd 200 PS vollgepumpt an den Start gehen. Schließlich sind die Kleinwagen ja ursprünglich stets als genügsame und reizarme Einkaufskörbe konzipiert.

Der runderneuerte Ibiza Cupra zeigt aber, dass auch die Kaufentscheidung für einen  Mini-Boliden im kommenden Frühjahr durchaus vernunftgesteuert sein kann; trotz 23.060 Euro Kaufpreis.

Denn erstens bekommt der Fahrer dafür einen voll alltagstauglichen Wagen. Zweitens eine Menge sinnvoller Verbesserungen. Und drittens natürlich die Extraportion Spaß - auch im Vergleich zum Vorgänger. Und das hat sogar mit Verzicht zu tun. Der hatte nämlich noch den 132 kW/180 PS-1,4-Turbo, zwangsgekoppelt an ein Siebengang-DSG.

Wirkliches Sportwagengefühl im Seat Ibiza Cupra

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Das "wollten die Kunden eher nicht”, gibt Deutschland-Geschäftsführer Bernhard Bauer freimütig zu. Schalterlebnis will der Fahrer - meist ein Mann - im Ibiza Cupra. Nun werkelt jetzt der 1,8-Liter-Turbo - und das alternativlos aus sechs Gängen handgeschaltet.

Mit 141 kW/192 PS leistet der neue Motor dem Hubraumzuwachs entsprechend mehr. Und auf dem Papier rauschen dabei mit 6,0 Liter nur 0,1 mehr als bisher durch den Auspuff. Nur technophile Zen-Buddhisten werden aber wohl in Reichweite dieses Wertes kommen. Denn die Qualitäten des Ibiza Cupra lassen weit über die reine Leistung des Motors hinaus derart lustfeindliche Abstinenz einfach nicht zu.

Oder anders ausgedrückt - Freude schöner Zündfunken: Das Klacken durch die Kulisse entfacht sofort Suchtcharakter, und ergibt mit dem um gewaltige 70 auf 320 Newtonmeter angestiegenen Drehmoment wirkliches Sportwagengefühl.

Wie im Katalog versprochen hängt der Ibiza von 1.450 bis 4.200 nahtlos am Gas, die 6,7 Sekunden vom Stand bis zur 100-Stundenkilometermarke fühlen sich herzschlagtechnisch noch schneller an. Und acht Liter Fahrfreude-Obolus auf 100 glückliche Landstraßen-Kilometer ist ja auch kein Schreckenswert. Nur bei intensivem Ausleben Richtung der 235 Stundenkilometer-Endgeschwindigkeit werden es noch mal deutlich mehr.

Der Cupra liegt perfekt ausgesteuert auf der Straße

Das ist aber nicht die Domäne des Ibiza. Im Feldversuch auf abgesperrten kurvigen Sträßchen im katalanischen Hinterland zeigt sich, dass der "Cup Racer”, kurz: CupRa, eher auf die Bergwertung aus ist. Die zweite fahrdynamische Neuerung im gelifteten Spanier trägt zum explosiven Spaß bei: die serienmäßige Fahrprogrammwahl "Cupra Drive Select" mit verstellbaren Dämpfern und elektronischer Differenzialsperre. Auch mit äußerst beherztem Herangehen liegt der Cupra perfekt ausgesteuert auf der Straße.

Da quietscht nix, raucht kein Pneu. Selbst, wenn der Fahrer mal etwas zu mutig einlenkt. Zusammen mit dem feinfühlig eingreifenden ESP ist das Programm praktisch eine eingebaute Versicherung, die mit der Modellpflege in den Kleinwagen Einzug hält. Serienmäßig.

Genau wie 17-Zoll-Räder, schwarze Außenspiegel und Diffusor, Xenonlicht, Klimaautomatik, Touchscreen-Navi, Multifunktionslenkrad, den üblichen Komfort-Helferlein, Einparkhilfen rundum und sportlich verzierter Innenausstattung. Auch per Soundgenerator kreiertes Sport-Brummbrumm lässt sich röhren, vor allem ab 4.000 Umdrehungen.

Im niedrigeren Drehzahlbereich mag der Besitzer es aber vielleicht lieber ziviler haben - etwa mit Baby an Bord. Obwohl nun nicht mehr als Fünftürer im Angebot, kann der Cupra dennoch gern den praktischen Einkaufswagen mit Wochenendausflugs-Möglichkeiten geben: Im Normal-Programm sanfter eingefedert liefert er den dazu passenden Komfort, auch wenn kurze Wellen weiter gern den Bandscheiben vernehmbare Rückmeldungen geben. Das war beim ersten der seit 1996 hierzulande verkauften 20.000 Ibiza-Cupra aber noch deutlich brachialer. Auch eine Art von Kundenpflege, die der Urahn jetzt zeigt.

Apropos Pflege: Wie seine Normal-Brüder hat jetzt auch der Ibiza Cupra (dort serienmäßig) die volle Integration von Android- oder iPhone-Handy in das Multifunktions-Display, Müdigkeitserkennung und Multikollisionsbremse. Abstandsregel-Tempomat oder Seitenlinien-Assistent wird es erst im nächsten Ibiza geben. 

Das Angebot mit der größten Zuladung, niedrigsten Ladekante oder größten Variabilität wird der Spanier wohl auch dann nicht sein - aber als Lifestyle-Kombi ST nimmt es der Ibiza ja bei Bedarf auch jetzt schon  mit dem großen Urlaubsgepäck der Kleinfamilie auf. Nur eben nicht als Cupra. Schade eigentlich, sagt die Vernunft.

Seat Ibiza Cupra  – Technische Daten:

Drei- oder fünftüriger Kleinwagen, Länge: 4,04 Meter, Breite: 1,69 Meter, Höhe: 1,43 Meter, Radstand: 2,47 Meter, Kofferraumvolumen: 292 Liter
  
Antrieb: 1,8-Liter-Vierzylinderbenziner, 141 kW/192 PS, maximales Drehmoment: 320 Nm bei 1.450 U/min, Vmax: 235 km/h, 0-100 km/h: 6,7 s,

Durchschnittsverbrauch: 6,0 l/100 km, CO2-Ausstoß: 139 g/km, Effizienzklasse C,

Preis: ab 23.060 Euro 

(SP-X)
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