| 09.12 Uhr

Test
Audi Q7 - taugt nicht mehr als Hassobjekt

Audi Q7 - Teuer und exklusiv, nicht mehr großspurig
Audi Q7 - Teuer und exklusiv, nicht mehr großspurig FOTO: Audi
Düsseldorf. Neben seinen Modellgeschwistern VW Touareg und Porsche Cayenne war der Audi Q7 lange Zeit das Lieblings-Feindbild von Umweltschützern und SUV-Verächtern. An der neuen Generation des Ingolstädters prallt Ablehnung jedoch ab. Von Holger Holzer

Als Hassobjekt taugt dieser Audi Q7 nicht mehr: Schon äußerlich ist die neue Generation des Edel-SUV eher übergroßer Kombi als Boulevard-Geländewagen für notorische Angeber. Und auch auf der Straße ist ihm jede Form der Aggressivität fremd.

Für ein Fünf-Meter-Auto wirkt der Q7 tatsächlich fast unscheinbar. Groß und ein bisschen kantig ist er schon – aber die protzige Hier-komm-ich-Attitüde des Vorgängers geht ihm ab. Es mag an der leicht geschrumpften Länge liegen oder an der sehniger ausgearbeiteten Karosserieoberfläche – bedrohlich und überwältigend wirkt der größte Audi nicht mehr.

Eher wie ein aufgepumpter A6 Avant. Und damit schon fast ein wenig zu unauffällig für ein Prestige-Modell seiner Preisklasse. Aber das Exterieur-Design ist bei den Ingolstädtern zurzeit generell eine Baustelle.

Optisch viel mehr zu bieten hat der Q7 aber innen. Holz, Leder und glänzendes Metall kann man in solch einem Auto zwar durchaus erwarten – eine derart stimmige und hochwertige Einrichtung wie sie Audi gelingt, ist jedoch keine Selbstverständlichkeit.

Audi Q5 - Probefahrt im neuen SUV FOTO: Audi

Der Audi Q7 überzeugt beim Platzangebot

In einer Mischung aus Wucht und Leichtigkeit umschließt das Cockpit den über dem Verkehr thronenden Fahrer, der sich zwischen der breiten Mittelkonsole und den üppig aufgepolsterten Türverkleidungen geborgen, aber nicht eingeengt fühlt. Dafür sorgen neben den großzügig in Fugen und Spalten eingezogenen Ambiente-Leuchtbändern auch das durchdachte Bedienkonzept, das ohne Berge von Knöpfchen und Schaltern auskommt.

Besonders gut gelungen: das sogenannte virtuelle Cockpit, bei dem die analogen Instrumente durch einen großen, frei konfigurierbaren Bildschirm ersetzt sind. Wer will, kann sich dort sogar eine Google-Satellitenkarte der Umgebung anzeigen lassen.

Auch beim Platzangebot überzeugt der neue Q7. War der Vorgänger vor allem außen riesig, hat der Neue die Größe nun auch in den Innenraum gerettet. Selbst zu dritt auf der Rückbank wird es nicht unangenehm eng. Gegen Aufpreis gibt es noch eine dritte Sitzreihe, die im Testwagen aber nicht montiert war.

Edel-SUV - Ford Kuga kommt als Vignale FOTO: Ford

Der Kofferraum ist beim Fünfsitzer entsprechend großzügig geschnitten und fasst bis zu zwei Kubikmeter Gepäck. Ist die optionale Luftfederung an Bord, geht der Q7 zum Beladen sogar etwas in die Knie. Ansonsten muss eine recht hohe Ladekante überwunden werden. Die Luftfederung (2050 Euro) zu ordern, schadet auch in anderer Hinsicht nicht. Sie passt perfekt zu einem schnellen und komfortablen Reisewagen wie es der Q7 ist. 

Übertriebene Sportlichkeit ist dem Q7 fremd

Wer nicht gerade einparkt oder permanent nach hinten schaut, vergisst schnell, wie groß das Auto eigentlich ist. Die auch hinsichtlich des Gewichts erfolgreiche Abmagerungskur gegenüber dem Vorgänger hat dem SUV merklich gut getan.

Dazu unterstützt auch die optionale Allradlenkung die ausgeprägte Handlichkeit, die man dem großen Wagen von außen gar nicht zugetraut hat. Übertriebene Sportlichkeit ist dem Sport-UV dabei glücklicherweise fremd, so dass sich das Dickschiff nicht alle der für diese Klasse typisch-wankenden Karosseriebewegungen mit rigider Dämpferhärte abbremst.

Wer unbedingt will, kann manuell über einen Schalter am Armaturenbrett ein strafferes Fahrwerk wählen, in der Regel lässt aber die Standardeinstellung keine Wünsche offen. Auch die präzise und leichtgängige Lenkung verlangt nicht nach Modifikationen.

SUV-Monster Audi SQ7 FOTO: Hersteller

Wer es also ohne Hektik angehen lässt, kommt auch mit dem kleinsten der verfügbaren Motoren, einem 160 kW/218 PS starken 3,0-Liter-Diesel, gut aus. Explosive Antritte sind zwar nicht das Metier des kultivierten Sechszylinders, kommt er aber erst einmal ins Rollen, geht es aber ausreichend zügig voran.

Teuer und entsprechend exklusiv

Die Achtstufenautomatik hat dazu immer den passenden Gang parat. Mit einem Praxisverbrauch von rund 7,5 Litern verfehlt der große Audi zwar haushoch den Normwert (unglaubliche 5,5 Liter), ist aber unter Berücksichtigung seiner Größe alles andere als ein Schluckspecht.

Doch die teuren Posten sind beim Q7 eh nicht die Spritkosten. Mindestens 58.800 Euro will Audi für sein Flaggschiff. Wer Wert auf angemessene Ausstattung legt, ist schnell bei knapp 70.000 Euro. Neben der Luftfederung (ab 2050 Euro), dem Navigationssystem (2800 Euro) und LED-Scheinwerfern (1620 Euro) gibt es noch zahllose interessante Optionen im dreistelligen Preisbereich (etwa das Virtual Cockpit für 600 Euro).

Teuer und entsprechend exklusiv ist der Audi Q7 also auch in der zweiten Generation noch. Nur trägt er es nicht mehr so großspurig nach außen. Diesmal geht es mehr um innere Werte.

Audi Q7 3.0 TDI Quattro – Technische Daten

Fünftüriges, fünfsitziges (optional: siebensitziges) SUV der Oberklasse;

Länge: 5,05 Meter, Breite: 1,97 Meter (mit Außenspiegeln: 2,21 Meter), Höhe: 1,74 Meter, Radstand: 2,99 Meter, Kofferraumvolumen: 890 – 2.075 Liter

3,0-Liter-V6-Diesel, Achtstufen-Automatik, Allradantrieb, 160 kW/218 PS, maximales Drehmoment: 500 Nm, 0-100 km/h: 7,1 s, Vmax: 216 km/h,

Normverbrauch: 5,5 Liter/100 Kilometer, CO2-Ausstoß: 144 g/km, Abgasnorm: Euro 6, Effizienzklasse: A, Testverbrauch: 7,5 Liter,

Preis: ab 58.800 Euro. 

(SP-X)
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Test: Audi Q7 - taugt nicht mehr als Hassobjekt


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.